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Wikileaks und die FDP:Harmlose schwarz-gelbe Interna

Zu Recht hatte man also im Führungskreis der Partei die Idee verworfen, von allen leitenden Mitarbeitern eine eidesstattliche Erklärung zu verlangen. Das Klima der Verdächtigungen hätte die Stimmung im Thomas-Dehler-Haus zu sehr verdorben. Anhand der Liste der Mitarbeiter, die bei den Koalitionsverhandlungen in der NRW-Landesvertretung Protokoll führten, konnte sich Westerwelle auch so rasch einen Überblick verschaffen.

Was Metzner an die Amerikaner weiterreichte und bislang veröffentlicht ist, liest sich aus heutiger Sicht einigermaßen harmlos. Beispielsweise die Tatsache, dass es zwischen Westerwelle und dem heutigem CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble zum Streit über die Zukunft der amerikanischen Atomwaffen in Deutschland kam. Das stand auch damals schon in der Zeitung. Auch die längst bekannte Liste mit den 27 Namen der Teilnehmer der Koalitionsverhandlungen gab Metzner weiter.

"Das Verhalten von Herrn Murphy ist ungehörig!"

Trotzdem sind auch bei der FDP viele über die Belieferung der Amerikaner mit schwarz-gelben Interna empört. Und die Verärgerung ist groß. Aus der FDP-Bundestagsfraktion gibt es jetzt auch schon Stimmen, die eine Abberufung Murphys verlangen. "Das Verhalten von Herrn Murphy ist ungehörig! So ein Botschafter muss nach Hause geholt werden", zitiert die Bild-Zeitung den FDP-Abgeordneten Hans-Michael Goldmann.

Für Metzner ist die Parteikarriere auf jeden Fall erst einmal vorbei. Die FDP betonte zwar: "Für ein rechtlich angreifbares Verhalten gibt es keine Anhaltspunkte." Dennoch wurde der freundliche Fliegenträger am Donnerstag von seinen Aufgaben als Büroleiter entbunden. Künftig soll sich Metzner in der Parteizentrale "anderen Aufgaben" widmen.

Entwicklungsminister Dirk Niebel rechtfertigte den Schritt am Freitag im ZDF-Morgenmagazin damit, dass man Metzner "aus der Schusslinie" habe nehmen müssen. Niebel erklärte, Metzner habe als Informant der US-Botschaft keine echten Geheimnisse verraten. Was in den Koalitionsverhandlungen wirklich vertraulich gewesen sei, sei "unter sechs Augen besprochen" worden.

Metzners Selbstprofil auf der FDP-Seite wurde bereits gesperrt. Die Internet-Seite www.muntermachermetzner.de gibt es aber noch.

© sueddeutsche.de/dpa/dapd/jobr
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