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Wikileaks: Julian Assange:"Kein substanzieller Schaden"

Offiziell weisen die USA jedoch alle Spekulationen zurück. "Es ist ein Rechtsverfahren in Großbritannien im Gange und wir verfolgen das offensichtlich, aber wir haben keinerlei Beteiligung daran", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums.

Assange ist hingegen fest von einem schwedisch-amerikanischen Komplott überzeugt. Von einer "fortgesetzten Vendetta" sprach sein Anwalt. Der Aktivist selbst beklagt, die schwedische Justiz habe seinen Anwälten wochenlang die Akteneinsicht verwehrt. Deshalb habe er keine Chance gehabt, sich gegen den Vorwurf der Vergewaltigung zweier Frauen zu verteidigen. "Das ist ein klarer Fall von Prozessmissbrauch", sagte Assange. Mittlerweile seien ihm 100 Seiten Material zu den Anschuldigungen vorgelegt worden - allerdings ausschließlich auf Schwedisch.

Dass der amerikanische Vizepräsident Joe Biden in einem Interview sagte, der US-Außenpolitik sei durch die Wikileaks-Enthüllungen "kein substanzieller Schaden" entstanden, dürfte Assange kaum beruhigen. Auch die Erklärung der Ministerpräsidentin Australiens, Julia Gillard, Assange habe nicht gegen die Gesetze seines Heimatlandes verstoßen, geht wohl eher als Randnotiz durch.

"Ich habe das Gefühl, dass verschiedenste Interessen - persönliche, innerstaatliche und internationale - den Prozess gegen mich befüttern und vorantreiben", sagte Assange der BBC. Das Verfahren gegen ihn zeige einen "beunruhigenden Aspekt" des europäischen Rechtssystems: "Jeder Mensch kann von jedem europäischen Land an ein anderes ausgeliefert werden, ohne dass irgendwelche Beweise vorgelegt werden."

Wie die BBC berichtet, soll Assange spätestens am 28. Dezember erneut vor Gericht angehört werden. Dann werde über die Auslieferung entschieden. Bis dahin lebt Assange in beklemmender Freiheit.