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Wikileaks-Informant:Mannings Verteidiger wirft Richter Befangenheit vor

Streng geheime US-Dokumente landeten massenhaft im Internet - und Bradley Manning soll schuld daran sein. Erstmals seit seiner Verhaftung im Mai 2010 hat sich der Obergefreite vor einem Gericht zu den Vorwürfen geäußert. Sein Anwalt scheiterte zu Beginn der Anhörung mit einem Befangenheitsantrag gegen den ermittelnden Richter.

Amerika gegen Bradley Manning: Der größte Geheimnisverrat in der US-Geschichte durch die Internetseite Wikileaks wird seit Freitag juristisch aufgearbeitet.

Vor einem Militärgericht auf dem Stützpunkt Fort Meade im US-Staat Maryland hat die Anhörung des mutmaßlichen Informanten der Enthüllungsplattform begonnen. Erstmals seit seiner Verhaftung vor eineinhalb Jahren kann sich der Obergefreite Manning öffentlich zu den Vorwürfen äußern.

Mannings Anwalt David Coombs scheiterte vor Beginn der Anhörung mit Forderung, Ermittlungsrichter Paul Almanza auszutauschen. Almanza sei im zivilen Leben Ankläger für das Justizministerium, das ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange führt. Die sei Grund genug, den Vorsitz abzugeben, argumentierte der Verteidiger. Doch der Richter wies den Antrag ab: "Ich denke nicht, dass eine vernünftige Person, die alle Umstände kennt, zu dem Glauben kommen könnte, dass meine Unparteilichkeit infrage steht", sagte er.

Der 23-jährige Manning zeigte sich an der Seite seiner Anwälte im Tarnanzug und mit Brille. Die voraussichtlich einwöchige Anhörung soll klären, ob die Beweise für die Eröffnung eines Militärprozesses ausreichen. Falls ja, droht Manning im Fall einer Verurteilung eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Dem Obergefreiten wird vorgeworfen, während seiner Stationierung als Analyst der US-Armee im Irak Geheimdienstdokumente aus Computern gezogen und sie dann der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt zu haben. Die Veröffentlichung der Papiere unter anderem über die Kriege im Irak und in Afghanistan hatte weltweit für Wirbel gesorgt. Die Preisgabe massenhafter Diplomaten-Depeschen hatte US-Botschafter und Politiker in aller Welt blamiert, gar Regierungen wanken lassen.

Die Anklage wirft dem jungen Mann, der an diesem Samstag Geburtstag hat, insgesamt 22 Brüche von Militärgesetzen vor. Er habe mit seinen Taten unter anderem Kameraden gefährdet. Am schwersten wiegt die Anschuldigung, "den Feind unterstützt" zu haben - dieses Vergehen kann mit der Todesstrafe geahndet werden. So weit wollen die Ankläger allerdings nicht gehen.

Selbst Obama hat von der Schuld Mannings gesprochen

Manning bestätigte dem Untersuchungsrichter Paul Almanza mit einem leise gesprochenen "Ja, Sir", die Art der Vorwürfe zu verstehen. Auf der Anklagebank in dem hochgesicherten Gerichtsgebäude machte er sich eifrig Notizen.

Vor der Militärbasis demonstrierten etwa 50 Menschen für einen Freispruch Mannings. Sie beklagen, dass Manning bereits mehr als 18 Monate festgehalten wurde, bevor es überhaupt zu der Anhörung kam. "Wir fordern einen fairen Prozess", sagte Leutnant Dan Choi, einer der Demonstranten.

Nach Meinung von Anwalt Coombs ist das nicht gewährleistet, weil bereits der US-Präsident selbst von der Schuld Mannings gesprochen habe: "Er hat das Gesetz gebrochen", hatte Barack Obama im vergangenen Jahr bei einem Auftritt gesagt. Manning hatte sich zuletzt auch mehrfach über Schikanen in der Haft beklagt, etwa, dass er eine Zeit lang jeden Abend vor Gefängniswärtern nackt strammstehen musste.

Verteidiger Coombs beschwerte sich auch darüber, während der Anhörung keine Zeugen befragen zu dürfen. Er hatte eine Liste mit insgesamt 48 Personen eingereicht, darunter laut dem Fernsehsender CNN auch Obama und US-Außenministerin Hillary Clinton. Sie hätten die Frage beantworten sollen, ob es sich bei den Papieren überhaupt um Staatsgeheimnisse gehandelt habe.