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Wikileaks-Informant:Bradley Manning entschuldigt sich erstmals

Wikileaks-Whistleblower Bradley Manning im Juli 2013

(Foto: AFP)

"Es tut mir leid": Der Wikileaks-Informant Bradley Manning bedauert vor einem US-Militärgericht die Weitergabe Hunderttausender Geheimdokumente an die Enthüllungsplattform. Wikileaks-Gründer Assange glaubt jedoch an eine erzwungene Entschuldigung.

Der Wikileaks-Informant Bradley Manning hat sich für die Weitergabe Hunderttausender Geheimdokumente an die Enthüllungsplattform entschuldigt. Er bedaure, dass seine Taten Menschen verletzt und den Vereinigten Staaten geschadet hätten, sagte der Soldat am Mittwoch vor einem Militärgericht in Fort Meade.

Mit seinen Äußerungen entschuldigte sich Manning zum ersten Mal für sein Vorgehen. Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange teilte mit, seiner Ansicht nach sei die Aussage des Informanten unter Druck zustande gekommen. Es handele sich um "eine erzwungene Entscheidung, sich bei der US-Regierung zu entschuldigen in der Hoffnung, die Haftstrafe um ein Jahrzehnt oder mehr zu reduzieren", erklärte Assange.

Manning zeigte sich in der Anhörung bereit, jede Strafe zu akzeptieren. "Ich weiß, dass ich den Preis zahlen muss", sagte er. Dem Obergefreiten drohen bis zu 90 Jahre Gefängnis. Die Beratungen über das Strafmaß sollen noch bis zum 23. August dauern. Manning war bereits Ende Juli in 20 Anklagepunkten für schuldig befunden worden. Er hatte während seiner Stationierung im Irak zwischen November 2009 und Mai 2010 etwa 700.000 Geheimdokumente von Militärrechnern heruntergeladen und der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt.

Experten diagnostizieren "Hyper-Stress"

In der Anhörung zur Festsetzung des Strafmaßes attestierten Psychologie-Experten dem 25-Jährigen Persönlichkeitsstörungen und extremen Stress zum Tatzeitpunkt. Der Soldat habe in dieser Zeit unter "Hyper-Stress" gestanden, sagte der Psychiater David Moulton in der Anhörung. Manning habe darüber nachgedacht, als Frau zu leben, was großen emotionalen Stress verursacht habe. Mit der Weitergabe der Dokumente habe Manning aus eigener Sicht "etwas Großartiges" geleistet und eine moralische Verpflichtung erfüllt. "Er dachte, die von ihm enthüllten Informationen würden die Welt verändern", sagte Moulton.

Ein weiterer Experte, der Militärpsychologe Michael Worsley, attestierte Manning eine Persönlichkeitsstörung und eine Störung der Geschlechteridentität. Für den homosexuellen Manning sei das Militär damals eine "feindliche" Umgebung gewesen. Während Mannings Stationierung im Irak war offene Homosexualität in den US-Streitkräften noch tabu.

Traumatische Kindheit

In der Anhörung äußerten sich auch Mannings ältere Schwester Casey Major und eine Tante. Sie beschrieben die traumatische Kindheit des Angeklagten. Seine Eltern seien Alkoholiker gewesen, die ihn oft allein gelassen hätten. Insbesondere die Mutter sei bösartig gewesen und habe zudem Selbstmordgedanken gehabt. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr hätten die Eltern dem Jungen noch Babynahrung zu essen gegeben.

Manning war Ende Juli in 20 von 22 Anklagepunkten für schuldig befunden worden, unter anderem wegen Spionage, Diebstahls von Dokumenten der Streitkräfte, illegaler Übermittlung von 250.000 vertraulichen Diplomatendepeschen sowie Verstoßes gegen interne Regeln des Militärs. Er wurde aber vom besonders schwerwiegenden Vorwurf der Feindesunterstützung freigesprochen. Während die Anklage und die US-Regierung Manning als gewissenlosen Verräter sehen, ist er für seine Unterstützer ein Held. Mehr als 100.000 Menschen haben bereits eine Petition unterzeichnet, um ihn für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen.

© AFP/jasch

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