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Wikileaks-Gründer in Haft: Reaktionen:Sarkasmus für die mutmaßlichen Opfer

Beim Kurznachrichtendienst kursieren sarkastische Kommentare zur Causa Assange: "Nach schwedischem Gesetz ist es okay, bei den Kabeln etwas durchsickern zu lassen, aber nicht bei Kondomen", ätzt "@Jairajp". Im amerikanischen Rechtsystem sei es genau andersherum.

Überhaupt, die Kondome. Der Vergewaltigungsvorwurf wird im Netz ausführlich diskutiert. Dabei richtet sich der Fokus auf das, was über die beiden mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer bekannt ist. Beziehungsweise darauf, was das Netz über sie zu wissen glaubt.

Die britischen Zeitungen Daily Mail und Guardian haben versucht, den Ablauf des folgenreichen Schweden-Besuchs von Julian Assange nachzuzeichnen, der ihm den Haftbefehl eingebracht hat. Demnach soll Assange mit beiden Frauen sexuellen Kontakt gehabt haben. Beim Geschlechtsverkehr mit einer der Frauen sei ein Kondom benutzt worden, das währenddessen jedoch gerissen sei, schreibt der Guardian. Beim Sex mit der zweiten Frau habe Assange einmal ein Kondom benutzt, ein weiteres mal nicht.

Bei der Polizei hätte die erste Sexualpartnerin schließlich angegeben, Assange habe das Kondom absichtlich zerissen. Die zweite habe ausgesagt, es sei ohne ihr Einverständnis zu ungeschütztem Sex gekommen. Nach dem strengen schwedischen Recht kann das als Vergewaltigung gewertet werden - in vielen anderen Ländern nicht.

Für verdächtig halten viele Kommentatoren, dass sich die beiden Frauen angeblich erst kennenlernten, nachdem sie mit Assange geschlafen hatten. Sie hätten sich zusammengetan und seien gemeinschaftlich zur Polizei gegangen, heißt es.

Das Opfer ein "Honeypot" der CIA?

Obwohl konkrete Beweise fehlen, hält sich hartnäckig das Gerücht, wonach eine der Frauen mit der CIA in Verbindung stehen soll. Im Online-Magazin Death And Taxes wird die Frau als "Honeypot" bezeichnet - als eine Art Sex-Fallenstellerin aus der Welt der Spionage. Ähnlich, wie sie in James-Bond-Filmen zu sehen sind. Auch soll die Frau Kontakt zu kubanischen Gruppen haben, die angeblich gegen Fidel Castro vorgehen wollen - und mit der CIA paktierten.

Wesentlich konkreter ist da der offene Brief, den Jeff Sparrow and Elizabeth O'Shea von der Webseite des australischen öffentlich-rechtlichen Senders ABC an ihre Regierung gerichtet haben: Sie fordern Premierministerin Julia Gillard dazu auf, Assange zu unterstützen.

Die beiden Autoren sorgen sich um das Wohlergehen des Aktivisten und verlangen von der Regierung, sie solle sich dafür einsetzen, dass er einen fairen Prozess bekommt und ihm kein physisches Leid geschieht. Das Kommentar-Aufkommen unter dem Artikel ist so groß, dass die Seite mit technischen Problemen zu kämpfen hat.

© sueddeutsche.de/woja

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