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Afghanistan: Wikileaks-Dokumente:Enthüller mit PR-Strategie

Der Vergleich mit Pentagon Papers und Stasi-Archiven hinkt: Warum die Afghanistan-Dokumente allein weniger zur Aufklärung beitragen, als Wikileaks glauben macht. Mehr Transparenz würde auch den Aufklärern selbst gut stehen.

Paul-Anton Krüger

Mehr als 91.000 Dokumente des US-Militärs, viele davon als geheim eingestuft, hat die Internetplattform Wikileaks für jeden zugänglich ins Netz gestellt. Julian Assange, Gründer der Organisation, hat die Veröffentlichung mit der Enthüllung der Pentagon Papers verglichen und später auch noch mit der Öffnung der Stasi-Archive.

Wikileaks-Gründer Julian Assange

Wikileaks-Gründer Julian Assange hält die Titelseite des britischen Guardian hoch, eine der Zeitungen, die die Afghanistan-Dokumente veröffentlichte.

(Foto: dpa)

Doch wer sich mit dem Material im Detail beschäftigt, kommt bald zu dem Eindruck, dass diese überzogenen Analogien Teil einer PR-Strategie sind, die nicht zuletzt darauf gerichtet ist, die Bekanntheit von Wikileaks zu steigern und die Finanzierung durch Spenden zu sichern.

Anhand der von Assange gewählten Vergleiche werden grundlegende Probleme deutlich, die gleichermaßen das publizierte Material betreffen wie auch den Umgang von Wikileaks damit. Die Pentagon Papers lieferten ein dichtes Narrativ über die Entscheidungen der amerikanischen Regierung und ihre Lügen während des Vietnamkrieges. Sie basierten auf Memos des Weißen Hauses, aber etwa auch auf Analysen der CIA, in denen Hunderte Einzelinformationen zusammengefasst sind.

Gefährliche Rohdaten

Anders die Afghanistan-Dokumente: Sie geben großteils ungesicherte, ungeprüfte Einzelinformationen wieder, die von Einheiten im Kampfeinsatz stammen oder von lokalen Informanten, deren Zuverlässigkeit zu prüfen unmöglich ist.

Dass solche Rohdaten gefährlich sind, ist bekannt, seitdem die Bush-Regierung unter Umgehung der Prüfprozesse der Geheimdienste ähnliche Splitter missbrauchte, um ihren Krieg gegen den Irak mit der angeblichen Existenz von Massenvernichtungswaffen zu rechtfertigen.

Was sagt etwa eine Gefahrenwarnung von September 2004 aus, laut der Osama bin Laden angeblich drei Selbstmordattentäter losgeschickt hat, um den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai zu ermorden? Die Antwort: wenig. Eine Quelle behauptet dies, die US-Armee schreibt es auf. Klar ist damit noch lange nicht, ob der Terrorchef al-Qaida tatsächlich noch steuerte. Das Memo mag echt sein, die Information muss deswegen noch lange nicht stimmen.

Lesen Sie weiter, welche Gefahren die Veröffentlichung der Daten durch Wikileaks mit sich bringt.

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