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Wikileaks-Enthüllung:Einst Guantanamo-Häftling, heute US-Verbündeter

Er war Extremist, unterstützte die Taliban und galt den USA als "feindlicher Kämpfer". Deshalb saß Abu bin Qumu fünf Jahre im Foltergefängnis Guantanamo. Heute kämpft der Libyer gegen das Gaddafi-Regime - mit amerikanischer Schützenhilfe.

John McCain lächelte, er posierte vor der libyschen Rebellen-Flagge und hatte für die Aufständischen warme Worte parat: "Großartige Kämpfer und echte Patrioten" seien sie, sagte der republikanische US-Senator und frühere Präsidentschaftskandidat bei seinem Besuch in der Aufständischenhochburg Bengasi am Freitag. Die USA tue gut daran, die Männer im Kampf gegen Gaddafi zu unterstützen.

A rebel fighter stands guard behind a Kingdom of Libya flag at Dehiba

Aufständischer in Libyen (Symbolbild): "Großartige Kämpfer und echte Patrioten"

(Foto: REUTERS)

Auf die Nachfrage von amerikanischen Journalisten, ob nicht auch Al-Qaida-Terroristen unter den Kämpfern seien, zeigte sich McCain unbesorgt: "Wieso? Sie (die Rebellen) sind meine Helden."

Ob McCain seine Aussage in dieser Form wiederholen würde, darf bezweifelt werden. Dank der jüngsten Enthüllung geheimer Dokumente aus dem Fundus der Internetplattform Wikileaks weiß die Welt inzwischen etwas genauer, wer gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi kämpft.

"Wahrscheinliches Al-Qaida-Mitglied"

Einer der Anführer des zusammengewürfelten Haufens ist offenbar der 51 Jahre alte Abu Sufian Ibrahim Ahmed Hamuda bin Qumu. Ein Libyer, der den Amerikanern bestens bekannt ist: Bin Qumu saß fünf Jahre im US-Foltergefängnis Guantanamo Bay auf Kuba. Er blickt auf eine steile Karriere zurück: Vom Taliban zum amerikanischen Staatsfeind bis zum Kämpfer der Rebellen mit Unterstützung durch die USA. Wobei seine Wandlung weniger mit ihm selbst zu tun hat, als mit der "Kehrwende der amerikanischen Politik", wie die New York Times verwundert feststellt.

Noch 2005 stufte das US-Verteidigungsministerium Abu bin Qumu als "wahrscheinliches Mitglied" des Terrornetzwerks al-Qaida ein. Eine eventuelle Freilassung des Libyers stelle "für die Interessen der USA ein mittleres bis hohes Risiko dar". So steht es in der Akte des Guantanamo-Häftlings, veröffentlicht am Wochenende von der amerikanischen Zeitung.

Über Ägypten nach Afghanistan

Das 18-seitige Dokument stammt aus dem Fundus, die der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt wurde. Dort ist die Akte allerdings noch nicht freigegeben - wohl mit Rücksicht auf die Medienpartner von Wikileaks. Die New York Times, die sich mit dem Wikilieaks-Gründer Julian Assange überworfen hatte und über Umwege an einen kompletten Datensatz kam, war in diesem Fall schneller.

Wenn die Angaben des US-Verteidigungsministeriums stimmen, die mit den Hinweisen "secret" (geheim) und "NOFORN" (nicht für Ausländer bestimmt) gekennzeichnet sind, wurde bin Qumu am 26. Juni 1959 in der Hafenstadt Darnah in Libyen geboren. 1980 diente er als Panzerfahrer in der Armee Gaddafis, ehe ihn das Regime wegen diverser Straftaten (Mord, Körperverletzung, bewaffneter Überfall und Verkauf von Drogen) zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe verurteilte.

1993 floh bin Qumu aus dem Gefängnis und reiste über Ägypten nach Afghanistan, wo er sich angeblich den Mudschaheddin anschloss. Die von den USA hochgerüsteten religiösen Krieger hatten zuvor nach jahrelangem Krieg die Sowjetunion aus dem Land vertrieben - und richteten sich nun gegen ihre ehemaligen Unterstützer. Einer ihrer Anführer: Osama bin Laden, der spätere Auftraggeber der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington.