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Wiener Kongress:Die Ungeliebte: Zarin Elisabeth

Während die einen verhandelten, feierten und sich zwischendurch zwecks körperlicher und geistiger Liebe in ihre Gemächer zurückzogen, flüchtete sich eine mächtige Frau mit Mandelaugen, blonden Locken und schlanker Taille in die süße Melancholie.

Zarin Elisabeth Aleksejewna (1779 -1826), Mitte 30, Tochter des Erbprinzen von Baden und Gattin von Zar und Polygamist Alexander I., richtete zwar auch mal einen Empfang aus und tanzte Polonaise, doch die Rolle der Partymaus-Lobbyistin überließ sie anderen Zeitgenossinnen. Zu verheißungsvoll und zu düster war ihr Leben bis dato verlaufen.

Mit 14 an den russischen Großfürsten verheiratet und schließlich zum orthodoxen Glauben konvertiert, musste sie früh lernen, dass man zwar Landstriche und Paläste besitzen kann, aber keine lebenslustigen Kaiser.

Louise von Baden; Wiener Kongress 1815, Historienseite

Zarin Elisabeth Aleksejewna (1779 -1826)

(Foto: SZ Photo)

Elisabeth verlor zwei Töchter an den Tod und wurde schwermütig, Alexander baute sich mit seiner polnischen Mätresse eine Parallelfamilie auf. Doch Elisabeths Aura blieb von diesem Schattendasein unberührt. Zeitzeugen schwärmten von ihrem "liebenswürdigen Charakter" und ihrer "unerschöpflichen Güte". Ja, sie war der "ungeliebte Engel des Himmels".

Ganz so altruistisch war das Engelchen dann aber nicht: Sie brachte ihre alte Liebschaft mit nach Wien, den ehemaligen russischen Außenminister Czartoryski. Nachdem der Zar kaum Zeit mit ihr verbracht und ihr schließlich auch noch einen Besuch bei seiner Eroberung Fürstin Bagration verordnet hatte, verbrachte Elisabeth die privaten Stunden mit Czartoryski eher semimelancholisch in dessen Schlösschen in Wien. Eine wahre Diplomatin.

Text: Friederike Zoe Grasshoff