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Wiener Kongress:Der Reformer: Freiherr vom Stein

Es liegt so etwas wie Wehmut über den deutschen Freiheitstraditionen, wahrscheinlich deshalb, weil die Gegenseite immer gewann. Sinnbildlich dafür ist das Schicksal des Heinrich Friedrich Karl vom Stein.

Als einer der Köpfe der preußischen Reformpartei das Bündnis mit Russland gegen Napoleon betrieben. Auf dem Kongress vertrat er nicht etwa Preußen, sondern Russland. Stein, nicht der heiterste Typ Mensch, verfolgte mit Grausen das kindsköpfige Gebaren des Zaren in Wien.

Der Freiherr war alles andere als ein Revolutionär, die Befreiungskriege hatte er auch gegen das geführt, was er für die moralische Verderbtheit Frankreichs hielt. Im Grunde wollte er eine Art idealisiertes Reich schaffen, mit einem guten und gerechten Kaiser und einer ebensolchen Ordnung für ein geeintes Deutschland.Daraus freilich wurde nichts.

Baron de Stein; Wiener Kongress 1815, Historienseite

Heinrich Friedrich Karl vom Stein (1757-1831)

(Foto: SZ Photo)

Unter Metternichs Führung suchen Europas Monarchen ihr Heil im gestern; gerade Preußen beseitigte viele Reformen wieder und wurde nun immer reaktionärer. Stein stand schon in Wien faktisch vor den Trümmern seines Werks, schimpfte über die "Kleintyrannen" und zog sich in seine Geschichtsstudien zurück.

Es passt, dass er an den Lustbarkeiten des Kongresses und "nichtswürdigen Weibern" keinen rechten Gefallen fand, ein Grund mehr für die Fürsten, ihn für einen faden Tropf zu halten. Gerechter ist die Inschrift in der Familiengruft: "demütig vor Gott, hochherzig gegen Menschen, der Lüge und des Unrechtes Feind".

Text: Joachim Käppner