bedeckt München
vgwortpixel

Wiener Kongress:Der Patriot: Humboldt

An "jener großen und intriganten Komödie, die als ,Wiener Kongreß' bekannt ist" (so der Historiker Adam Zamoyski) war auch Wilhelm von Humboldt als Gesandter Preußens am Wiener Hof und rechte Hand des preußischen Staatskanzlers Hardenberg beteiligt.

Humboldt war eigentlich Sprachforscher und Philosoph, ein bekannter Intellektueller, der als Bildungsreformer in die preußische Politik gegangen war. Der ältere Bruder des noch berühmteren Naturforschers Alexander von Humboldt war ein Freund Schillers, als junger Mann Mitglied des literarischen Salons von Rahel Levin und ein überzeugter preußischer Patriot.

Wilhelm von Humboldt

Wilhelm von Humboldt (1767-1835)

(Foto: Scherl)

Tagsüber machte er Politik, abends übersetzte er griechische Klassiker wie Aischylos oder Plutarch, statt zu den zahlreichen Festlichkeiten zu gehen. Das Wiener Geschachere um künftige Macht, Einfluss und Grenzen in Europa verfolgte Humboldt oftmals angewidert, was er nicht verbarg.

Viele Freunde machte er sich dadurch nicht. Doch auch sein Hang fürs Küchenpersonal war bekannt, möglichst üppige Mädchen und Frauen aus dem Volk, denen er nachts nachstellte, Plutarch hin oder her.

Seinem Freund Friedrich von Gentz, dem Sekretär des Kongresses, "vermachte" er, wie dieser schrieb, "Suzette, eine sehr schöne Person". Abstoßende Sitten habe Humboldt, war in Wien zu hören. Seiner Frau Caroline, "Li", so nannte er sie, blieb ihm dennoch gewogen, die Ehe kann man nicht unglücklich nennen.

Text: Cord Aschenbrenner