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Wiener Kongress:Die Sünde: Wilhelmine

Ein hochwohlgeborenes Luder, das schon in sehr jungen Jahren auf eine moralisch steil nach unten weisende Bahn geraten war - so sahen zumindest die Zeitgenossen die Herzogin von Sagan.

Wilhelmine von Biron war eine der drei Töchter des ehemaligen Herzogs von Kurland, bei dessen Tod sie ein niederschlesisches Titularfürstentum erbte, Sagan. In ihrem kleinen Schloss Ratiborschitz traf sich Metternich im Frühjahr 1813 mit den Vertretern Russlands und Preußens, es ging um die Allianz gegen Napoleon.

Der österreichische Außenminister hatte durchaus auch Augen für die schöne Schlossherrin, mit der er seine politischen Ideen diskutierte, und die er einem österreichischen Offizier verfallen glaubte. So war es auch, einerseits. Andererseits verliebte sich Metternich in die 32-jährige Herzogin, die bereits drei Ehemänner hinter sich gelassen hatte, und sie sich in ihn. Bald sahen sich beide in Wien wieder, wo sie ein großes Haus führte.

Eine gute Bekannte schrieb über Wilhelmine, sie besäße "edle und regelmäßige Züge, eine herrliche Figur und die Haltung einer Göttin". Allerdings: "Der Lebhaftigkeit ihrer Sinne überlassen, bar jeder religiösen Grundsätze, ihre Phantasie von verderblichem Beispiel gebrandmarkt, sah sich Wilhelmine den großen Gefahren, denen ihre Schönheit sie aussetzte, wehrlos ausgeliefert."

Daraus konnte nichts werden und so sah es später auch der verbitterte Metternich: "Sie sündigt siebenmal am Tag und liebt so oft wie andere dinieren." Nicht nur ihn, wie er während des Wiener Kongresses schmerzerfüllt feststellen musste. Das Wiener Publikum aber fühlte sich bestens unterhalten durch die Affäre der beiden.

Text: Cord Aschenbrenner