bedeckt München

Wiefelspütz: Plagiatsfälle in der FDP:Die bürgerliche Versuchung

Der nächste Titel ist futsch: Nach Koch-Mehrin ist auch dem FDP-Politiker Chatzimarkakis die Doktorwürde aberkannt worden. Dass sich bei den Liberalen die Plagiatsvorwürfe häuften, sei kein Zufall, findet SPD-Politiker Wiefelspütz - und hat dafür auch eine Erklärung.

Mit Jorgo Chatzimarkakis ist bereits dem zweiten FDP-Politiker der Doktortitel abhanden gekommen, am Mittwoch hat die Philosophische Fakultät dem Europaabgeordneten den akademischen Titel entzogen. Ähnlich ergangen war es seiner Parteikollegin Silvana Koch-Mehrin. Und auch die FDP-Beraterin Margarita Mathiopoulos ist ins Visier der Plagiatsjäger im Internet geraten.

Chatzimarkakis verliert seinen Doktortitel

Will so schnell nicht aufgeben: Der FDP-Politiker Jorgo Chatzimarkakis kündigte an, um seinen Doktortitel kämpfen zu wollen - und notfalls eine zweite Doktorarbeit zu schreiben.

(Foto: dapd)

So viele Fälle in einer solch kleinen Partei - Zufall? Der SPD-Innenpolitiker und selbst Träger akademischer Würden Dieter Wiefelspütz ist sich sicher: "Das ist eine Serie." Die Häufung von Plagiatsfällen in der FDP sei eine Konsequenz der oft einseitigen Karriereorientierung in der Partei. "Es geht darum, den Titel auf der Visitenkarte und dem Wahlplakat zu haben und auf diese Weise Kompetenz, Bürgerlichkeit und Renommee zu suggerieren. Jung, ehrgeizig, karriereorientiert, Doktortitel - das finden Sie ganz massiert bei der FDP," sagte Wiefelspütz der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung.

Und weiter: "Der Doktor ist der Adelstitel für Bürgerliche - so wird er leider Gottes wahrgenommen." Da komme mancher in "Versuchung, noch etwas nachzuhelfen". In Union und SPD sei die unbedingte Gier, sich mit einem solchen Titel zu schmücken, nicht so verbreitet wie bei den Liberalen, sagte Wiefelspütz. Das zeige schon die Anzahl der Plagiatsfälle im Verhältnis zur Größe der Partei. In seiner Partei, der SPD, schade ein Doktortitel zwar nicht, "aber er nutzt auch nicht," sagte Wiefelspütz.

Plagiatsfälle gab es auch in anderen Parteien, auch bei den Sozialdemokraten. So musste der ehemalige SPD-Nachwuchspolitiker Uwe Brinkmann auf seinen Titel verzichten. Angestoßen hatte die Serie an Plagiatsfällen im Übrigen der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der zwar auf seinen Doktortitel verzichten musste, seinen Adelstitel aber noch hat.

Wiefelspütz hat selbst promoviert und doziert an der Universität Düsseldorf. In der SPD wiederum schade der Doktortitel nicht. "Aber er nutzt auch nicht. Man muss eher aufpassen, dass man nicht als Sonderling oder etwas elitär rüberkommt."

Der Wahlkampfmanager von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber im Jahr 2002, Michael Spreng, erklärte der Mitteldeutschen Zeitung hingegen: "Ich halte das nicht für symptomatisch für die FDP. Die haben halt Pech gehabt." Schließlich seien auch mehrere Unions-Politiker betroffen. Spreng nannte es gleichwohl "fatal, dass die FDP-Führung sich in Schweigen hüllt und so tut, als wäre da nichts. Sie müsste ein klares Wort finden und ihre Mandatsträger zum Mandatsverzicht auffordern."

© sueddeutsche.de/dapd/jab/hai
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema