Widerstand gegen Terrormiliz PKK ruft türkische Kurden zum Kampf gegen IS auf

Mehr als 130 000 Menschen sind seit Freitag aus dem Norden Syriens in die Türkei geflohen. Angesichts des Vormarschs der IS-Milizen hat die verbotene Arbeiterpartei PKK türkische Kurden dazu aufgerufen, gegen die Islamisten im Nachbarland zu kämpfen.

  • Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat die Kurden in der Türkei zum Kampf gegen die IS-Terrormiliz im benachbarten Syrien aufgerufen. Die Organisation wirft zudem dem türkischen Staat vor, den "Islamischen Staat" zu unterstützen.
  • Die Türkei hat nach Angaben den Flüchtlingshilfswerks UNHCR sechs von acht Grenzübergängen in der Provinz Şanlıurfa wieder geschlossen. Sie waren am Freitag für syrische Flüchtlinge geöffnet worden.
  • Türkische Politiker sprechen von 130 000 Flüchtlingen aus dem Norden Syriens, die seit Freitag ins Land gekommen seien.

PKK ruft zum Kampf gegen den IS auf

Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat die Kurden in der Türkei zum Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im benachbarten Syrien aufgerufen. "Es gibt im Widerstand keine Grenze mehr", weshalb eine "Mobilisierung" nötig sei, hieß es in einer PKK-Mitteilung, aus der die prokurdische Nachrichtenagentur Firat zitiert. "Der Widerstand sollte keine Grenze kennen." Den IS-Terroristen werde es nicht gelingen, die von drei Seiten eingeschlossene nordsyrische Stadt Ain al-Arab (kurdisch: Kobanê) einzunehmen, "welche Kräfte auch immer hinter ihnen stehen und wie groß ihre Waffen auch sind".

Kritik an der türkischen Regierung

Die PKK warf der türkischen Regierung vor, den IS zu unterstützen. "Jede Kugel, die von der IS-Verbrecherbande auf den Norden Kurdistans abgefeuert wird, ist vom türkischen Staat abgefeuert worden." Die Kurden sollten "entsprechenden Widerstand leisten". Auch der Kampf gegen die türkische Regierung solle verschärft werden. "Die Menschen Kurdistans durchlaufen eine entscheidende historische Phase. Mit dem Geist des nationalen Widerstands wird nicht nur Kobanê, sondern ganz Kurdistan siegreich sein."

Die Mitteilung kam von der Union Kurdischer Gemeinschaften (KCK), die von türkischen Behörden als ziviler Arm der PKK eingestuft wird. Die türkische Regierung bemüht sich um einen Friedensprozess mit der PKK.

Die Stadt Ain al-Arab bleibt umkämpft

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (hier mehr zu dieser Organisation) haben IS-Kämpfer seit Donnerstag etwa 60 Dörfer in den Kurdengebieten im Norden Syriens erobert und kurdische Kämpfer zurückgedrängt. Inzwischen haben Letztere nach eigener Darstellung den Vormarsch der IS-Kämpfer gestoppt. Der Vorstoß sei in der Nacht zum Montag zum Erliegen gekommen, sagte ein Sprecher der syrischen Kurden-Volksverteidigungseinheiten YPG der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings gebe es immer noch Kämpfe. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte schätzt, dass insgesamt 150 000 Menschen aus den kurdischen Siedlungsgebieten um die Stadt Ain al-Arab vertrieben wurden.

Mehr als 130 000 syrische Flüchtlinge seit der Grenzöffnung am Freitag

Davon sind mehr als 130 000 seit Freitag in die Türkei geflüchtet. Diese Zahl nannte Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmuş für die Zeit seit der Grenzöffnung am Freitag, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Das UNHCR hatte zuvor gemeldet, die Türkei und die Vereinten Nationen bereiteten sich auf einen möglichen Ansturm von Hunderttausenden Flüchtlingen vor. Schon bisher hat die Türkei nach Regierungsangaben etwa 1,3 Millionen Flüchtlinge vor allem aus Syrien aufgenommen.

Sechs von acht Grenzübergängen laut UNHCR wieder geschlossen

Ankara hatte seine Grenzen zum Nachbarland am Freitag geöffnet, um den Menschen die Flucht vor dem jüngsten IS-Vormarsch zu ermöglichen. Dabei hatte das Land betont, dass es sich um eine "Ausnahme" handele.

Inzwischen hat die Türkei nach Angaben des UNHCR sechs von acht Grenzübergängen zu Syrien in der Provinz Şanlıurfa wieder geschlossen. Das sagte eine Sprecherin des Flüchtlingshilfswerks am Montag. Die Übergänge waren am Freitag geöffnet worden, um den Ansturm Tausender Flüchtlinge zu bewältigen. Nun aber reichten zwei Grenzübergänge aus. Dort würden weiterhin Menschen durchgelassen, nachdem sie registriert und gegebenenfalls geimpft und ärztlich versorgt wurden, sagte die UNHCR-Sprecherin.

Zusammenstöße zwischen Flüchtlingen und türkischen Sicherheitskräften

Zuvor soll es am Sonntag nach einer Solidaritätsdemonstration kurdischer Flüchtlinge in der Türkei zu Unruhen gekommen sein. Der BBC zufolge wird vermutet, dass einige Demonstranten Steine auf türkische Sicherheitskräfte geworfen hätten. Die Sicherheitskräfte hätten Berichten zufolge versucht, kurdische Kämpfer davon abzuhalten, nach Syrien zurückzukehren.