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WHO:Aufklärung tut not

Die Organisation für Weltgesundheit kann politisch wirken. Zu Beginn der Corona-Krise hat sie China gegenüber nicht entschlossen genug gehandelt. Der richtige Zeitpunkt, die Welt zu warnen, wurde womöglich verpasst. Das muss nun untersucht werden.

Wie viele internationale Institutionen ist die Weltgesundheitsorganisation stark von ihren Mitgliedern abhängig. Sie hat keine Mittel, um die Herausgabe von Informationen zu erzwingen, vor allem, wenn es sich um eine mächtige Regierung handelt wie jene in China. Was die WHO jedoch sehr wohl hat, ist politischer Handlungsspielraum.

Neue Dokumente, die von der Nachrichtenagentur Associated Press veröffentlicht wurden, legen nahe, dass die WHO intern durchaus wusste, dass Peking in der Corona-Krise nur scheibchenweise und verzögert mit der Wahrheit herausrückte. Dessen ungeachtet lobte Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus öffentlich die Transparenz und die Reaktion Pekings. Man kann vermuten, er habe das getan in der Annahme, dass es den Zugang seiner Leute verbessert - oder aus Gefälligkeit.

Die Aufgabe der WHO wäre es auch gewesen, die Welt so früh wie möglich zu warnen und notfalls mit entsprechenden Äußerungen politischen Druck auf Peking zu entfalten. Zumindest der Verdacht liegt nahe, dass wertvolle Zeit verspielt wurde. Ob das so war, gehört durch eine unabhängige Aufarbeitung geklärt. Die hat Tedros zwar zugesagt, aber keinen Zeitpunkt genannt. Sie muss samt der daraus folgenden nötigen Reformen schnell kommen, nicht erst nach einem Ende der Pandemie.

© SZ vom 04.06.2020

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