Whistleblower Daniel Ellsberg "Es kann jederzeit zu einem Atomkrieg kommen"

Daniel Ellsberg, heute 86, wurde 1973 freigesprochen. Auch, weil Nixons Regierung bei Ellsbergs Psycho­analytiker hatte einbrechen lassen, um an diskreditierende Informationen zu kommen.

(Foto: Mark Mahaney)

Daniel Ellsberg wurde als Whistleblower der "Pentagon Papers" in den Siebziger­jahren bekannt. Jetzt wurde der Skandal in "Die Verlegerin" verfilmt, und Ellsberg verrät: Er hat damals auch die geheimen Atomkriegs­­pläne der USA kopiert. Die Gefahr eines atomaren Schlagabtauschs hält er für hochaktuell.

Interview von Frederik Obermaier, SZ-Magazin

SZ-Magazin: Ende der Sechzigerjahre verstießen Sie über mehrere Monate hinweg fast jeden Tag gegen das Gesetz. Sie schmuggelten geheime Regierungsdokumente aus Ihrer Firma und kopierten sie. Wie kam es dazu?

Daniel Ellsberg: Ich arbeitete damals für RAND, eine militärische Forschungseinrichtung in Santa Monica. Unsere Hauptauftraggeber waren die Air Force und das Pentagon. So hatte ich Zugang zu allerlei geheimen Berichten. Einer war besonders interessant, 47 Ordner waren das. Sie zeigten, wie die US-Regierung den Kongress und die Öffentlichkeit belogen hatte. ...