Westerwelle, Rösler und die Krise der FDP Kleine Partei - großes Theater

Man weiß nicht mehr, ob man über die FDP lachen oder weinen soll. Die Geschichte dieser großen kleinen Partei hat sich in eine Tragikomödie verwandelt, die aber keinen guten Ausgang und kein Ende mehr findet. Letztendlich brauchen die Liberalen einen Rettungsschirm. Nur weiß man nicht, was da eigentlich gerettet werden soll.

Ein Kommentar von Heribert Prantl

Man weiß nicht mehr, ob man über die FDP lachen oder weinen soll. Die Geschichte dieser großen kleinen Partei hat sich in eine Tragikomödie verwandelt, die aber keinen guten Ausgang und kein Ende mehr findet. Seit gut zwanzig Jahren, seitdem Guido Westerwelle in dieser Partei eine Hauptrolle spielt, ist die Politik der FDP Theater. Als Theater war diese Politik anfänglich bemerkenswert; sie fand Beachtung, sie machte Eindruck, sie fesselte ein kurzzeitig wachsendes Publikum, weil sie marktschreierisch war und aufdringlich. Sie weckte große Erwartungen, die sie dann in der Regierung maßlos enttäuschte.

Man kann die Tragikomödie der FDP und die Rolle des Guido Westerwelle darin mit Carl Zuckmayers "Hauptmann von Köpenick" vergleichen

(Foto: dapd)

Diese Enttäuschung ist alles, was geblieben ist - gewaltige Enttäuschung über die FDP und maßlose Enttäuschung über den FDP-Außenminister. Die liberale Tragikomödie mündet in eine Tragödie.

Westerwelle provoziert so viel Häme, dass man sich dabei ertappt, Mitleid zu haben. Mitleid verdient aber weniger das Subjekt Westerwelle als das Objekt FDP: Westerwelle hat ihr viel mehr genommen, als er ihr gegeben hat. Ihre wirtschaftspolitische Kompetenz ist dahin, ihre Tradition als die Partei der großen Außenminister befleckt. Und es sieht so aus, als würde der Fleck jeden Tag größer.

Das Machtwort des Vorsitzenden Rösler ist da kein Reinigungsmittel. Und die politischen Ablenkungsmanöver - Rentenbeitrag senken, Solidaritätszuschlag drücken - wie sie soeben auf der FDP-Klausur verkündet werden, helfen da auch nicht nachhaltig.

Was traut sich Rösler?

Wie die FDP wieder zu einer erfolgreichen Partei werden soll, weiß keiner; der neue Vorsitzende auch nicht. Bei seiner Wahl hat er versprochen, dass er "liefern" wird; aber er weiß selbst nicht, was er liefern soll. Fürs Erste müsste es wohl der komplette Abschied von der Ära Westerwelle sein. Aber das traut sich Rösler nicht.

Er kaschiert seine Führungsschwäche mit seltsamen Reden, die so klingen, als gebe von nun an er als Parteichef die Direktiven aus, nach denen der Außenminister zu handeln habe. Rösler tut so, als sei das Amt des deutschen Außenministers ein imperatives Mandat der Parteizentrale der FDP. Das ist nur peinlich - und ein Ergebnis der Schwäche Westerwelles und der Führungsverlegenheit Röslers.