Westerwelle gibt FDP-Vorsitz ab:Heiter, konzentriert und angriffslustig

Höflich, zurückhaltend, auf japanische Weise eben, will Außenminister Takeaki Matsumoto von Westerwelle wissen, warum die Deutschen ihre Diplomaten, anders als andere Europäer, immer noch nicht zurückgeholt hätten nach Tokio. Und auch, warum die deutschen Medien alles so dramatisch schilderten. Während der Pressekonferenz belässt es Matsumoto dabei, eine "beherrschte Reaktion" des Auslandes anzumahnen. Als der Vize-Kanzler, Außenminister und FDP-Chef am Samstagabend den Airbus Theodor Heuss der Flugbereitschaft besteigt, hält er zumindest die Lage in seiner Partei vermutlich noch für beherrschbar. Es gebe noch "keine Entscheidung und keine Vorentscheidung" über seine Zukunft, lässt er "Vertraute" verbreiten. Offenkundig ist, dass Westerwelle Vizekanzler und Außenminister bleiben will. Weit weniger klar ist, dass er schon zu diesem Zeitpunkt bereit ist, auf das Amt des Parteichefs zu verzichten, wie in Deutschland das Wochenende über verbreitet wird. Es sieht nicht so aus, als seien die Botschaften aus der Ferne wirklich angekommen.

Auf dem Rückflug hat Westerwelle viel Zeit, seine Pläne durchzugehen. Zu hören ist, ganz oben stehe die stabile Regierung, gefolgt vom Funktionieren der Koalition, das nicht beeinträchtigt werden dürfe und zu guter Letzt die Frage: Was ist das Beste für die Partei? Auf dem langen Weg nach Berlin spricht noch einiges dafür, dass Westerwelles Antwort anders ausfallen könnte als die jener, die sich zuletzt zu Wort gemeldet haben aus der FDP. Westerwelle hat ein Nervenkostüm angelegt, das am ehesten als heiter, konzentriert und angriffslustig beschrieben werden kann. Er wirkt, als sei er gespannt, ob wirklich jemand wie Philipp Rösler den Angriff wagt.

Am Sonntag, kurz vor sechs Uhr, landet die Theodor Heuss auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Auf dem Rollfeld wartet die Limousine des Ministers. Die letzte Runde des Kampfes beginnt. Sie dauert zwölf Stunden. Er sei "sicher, dass es die richtige Entscheidung ist", sagt Westerwelle ganz zum Schluss, "jetzt auch für einen Generationswechsel in der FDP" zu sorgen.

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