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Werkstatt Demokratie:Schule, Verkehr, Schutz und Freiheit - was ist Ihr Thema?

(Foto: imago(3); Bearbeitung SZ)

Die Werkstatt Demokratie geht in eine neue, besondere Runde: Was ist Ihnen wichtig, worüber wollen Sie diskutieren - stimmen Sie jetzt ab!

Von Sabrina Ebitsch und Peter Lindner

Die Sondersituation ist zum Normalzustand geworden. Mund-Nasen-Schutz als tägliches Accessoire, 1,5 Meter Abstand als verinnerlichte Pflicht, Zoom statt persönlicher Treffen. Zugleich sind Masken zum Stoff des Anstoßes geworden. An diversen Regularien des neuen Alltags entzündet sich bei manchen ein unheiliger Zorn. Die einen schreien ihren Unmut bei Demonstrationen lauthals heraus, andere beschimpfen sich gegenseitig in der U-Bahn - und selbst durch einige Familien geht ein Riss.

"Die Corona-Krise hat Spaltungstendenzen in der Gesellschaft verschärft", sagt Frank Decker, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bonn. Schwelende Konflikte seien noch sichtbarer geworden - und der Ton rauer. Kritiker der Corona-Beschränkungen dürften jedoch nicht ausgegrenzt werden, indem man sie beispielsweise als "Covidioten" bezeichnet. Vielmehr müssten die Debatten über den richtigen Umgang mit der Krise und ihren Folgen intensiv geführt werden - allerdings mit "mehr Zivilität". "Demokratie braucht Streit, denn er hat eine aufklärerische Wirkung", betont Decker.

Aufklären, zivilisiert streiten und Lösungsideen entwickeln - darum geht es von dieser Woche an auch in der Werkstatt Demokratie. Diese fünfte Runde des SZ-Diskursprojekts wird eine besondere sein: Wir organisieren eine "Werkstatt Demokratie spezial", bei der wir - neben der Nemetschek Stiftung - auch mit der Akademie für Politische Bildung in Tutzing kooperieren. Geplant ist unter anderem eine mehrtägige Veranstaltung mit Workshops am Starnberger See. Aber zunächst einmal setzen Sie, unsere Leserinnen und Leser, wie gewohnt das Thema. Drei Fragen stehen zur Auswahl - Sie entscheiden, welche wir für Sie recherchieren und mit Ihnen diskutieren. Klicken Sie im Umfrage-Tool unten auf das für Sie wichtigste Thema und stimmen Sie ab:

Weil wir Ihre Anregungen und Wünsche berücksichtigen wollen (mehr dazu unten), sind die Themen im Folgenden nur grob umrissen.

Thema 1: Schutz und Freiheit: Was bedeutet gutes Regieren im 21. Jahrhundert?

2021 wird ein besonderes Jahr - nicht nur mit Blick auf die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie: Die Deutschen wählen im Herbst einen neuen Bundestag; außerdem stehen in sechs Bundesländern Landtagswahlen an, in Hessen und Niedersachsen finden noch Kommunalwahlen statt. Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Krise und dem Dilemma zwischen Gesundheits- und Grundrechtsschutz stellt sich die Frage danach, wie wir regiert werden wollen und was wir unter guter Regierungsarbeit verstehen, noch einmal neu. Braucht es auch nach der Krise einen Staat, der stärker reguliert? Oder sind gerade nach den Erfahrungen der vergangenen Monate weniger staatliche Eingriffe, mehr Eigenverantwortung und Gestaltungsraum für den Einzelnen sowie für gesellschaftliche Akteure und Unternehmen gefragt?

Thema 2: Mobilität der Zukunft: Wie kommen wir besser voran?

Gerade im Bereich Verkehr hat die Corona-Krise einiges weiter befeuert, was durch Klimaschutzbestrebungen bereits in Bewegung war. Viele Menschen meiden die U-Bahn oder den Bus und steigen um aufs Rad. Es werden - vielleicht das prominenteste Beispiel - wie in der Berliner Friedrichstraße Pop-up-Radwege eingerichtet und der Platz dafür dem motorisierten Verkehr ebenso entzogen wie Parkplätze, die zugunsten von Freischankflächen vor Restaurants entfallen. Wem also gehört die Straße? Und wie wollen wir uns dort bewegen? Welche Rolle spielt der öffentliche Verkehr - und das Auto, mit welchem Antrieb auch immer? Welche Ideen sind zukunftsträchtig?

Thema 3: Digitaler und flexibler - welche Bildung brauchen wir?

Auch hier hat die Pandemie ein Schlaglicht auf seit Jahren verschleppte Probleme geworfen: Unsere Schulen sind schlecht ausgestattet, Digitalisierung ist dort oft immer noch Neuland, flexible Konzepte für einen Unterricht unter erschwerten Bedingungen gab es kaum. Die Verbreitung von Fake News und Verschwörungsmythen, die nach Beginn der Krise nicht nur in sozialen Medien kursierten, führt vor Augen, wie wichtig ein souveräner Umgang mit der Informationsflut, wie bedeutsam Medienkompetenz ist - und wie krisenfest Bildung sein muss. Wie also wappnen wir uns gegen Falschnachrichten, informationelle Überforderung und gegen das Gefühl der Orientierungslosigkeit? Was müssen wir von klein auf, aber auch im Erwachsenenalter wissen, mitnehmen, lernen? Was bedeutet lebenslanges Lernen in Zeiten des Umbruchs?

Und wie geht es danach weiter?

Die Online-Abstimmung läuft die gesamte Woche - bis Sonntag, 4. Oktober. Tags darauf geben wir das Ergebnis bekannt - in der SZ, auf SZ.de und über die digitalen Kanäle der Werkstatt Demokratie (wenn Sie keine Neuigkeiten zum Projekt verpassen wollen, halten wir Sie dort auch mit Updates auf dem Laufenden - hier anmelden). Das Thema, auf das am meisten Stimmen entfallen, steht im Mittelpunkt der neuen Runde unserer Projekts. Unmittelbar nach der Abstimmung starten wir mit der Recherche, um Antworten auf diese von SZ-Leserinnen und -Lesern gewählte Frage zu finden. In einer Themenwoche vom 30. November bis 4. Dezember wollen wir die Ergebnisse auf SZ.de und in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichen.

Diese Informationen sollen unter anderem die Basis bilden für Online-Diskussionen und die Workshops am Ende jener Woche. Vom 4. bis 6. Dezember treffen wir uns am Starnberger See zu einer dreitägigen Veranstaltung - mit Übernachtungsmöglichkeit: Wenn es die Corona-Situation zulässt, laden die SZ, die Nemetschek Stiftung und die Akademie Interessierte ein, in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing über das gewählte Thema zu diskutieren und Lösungsideen zu entwickeln. Von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag wird es Gespräche mit SZ-Autorinnen und -Autoren, Diskussionsworkshops, Videoschalten mit Expertinnen und Experten sowie Politikerinnen und Politikern geben. Wenn größere Veranstaltungen von Angesicht zu Angesicht dann nicht möglich sind, verlegen wir unsere Workshops ins Virtuelle und debattieren gemeinsam in mehreren moderierten Video-Workshops. Anmelden können Sie sich vom 5. Oktober an über sz.de/werkstatt_anmeldung. Dort finden Sie dann auch weitere Informationen zur Veranstaltung.

Wie können Sie mitmachen?

Mit Ihrer persönlichen Erfahrung, mit Recherchehinweisen, als Diskussionspartner und als Ideengeberin. Sagen Sie uns, welche Aspekte wir besonders berücksichtigen sollen und was Sie umtreibt. Folgen Sie uns auf Twitter (@SZ_Demokratie) und werden Sie Mitglied in unserer Facebook-Gruppe. Mailen Sie uns (mit einem kurzen zusätzlichen Hinweis, wenn Sie in unseren Verteiler aufgenommen werden möchten). Und machen Sie bei den Workshops mit, wenn wir mit Ihnen über genau dieses Thema debattieren.

Hier lesen Sie, was bislang recherchiert wurde, was hinter dem Projekt steckt und was die vorangegangenen Runden zu den Themen Wohnen, Europa, Klimakrise und Solidarität ergeben haben. Mehr zum Projekt finden Sie hier. Danke fürs Dabeisein!

© SZ.de/plin/segi
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