Eva Mayerthaler, 71, Klagenfurt in Kärnten

"Mir ist Europa eine Herzensangelegenheit. Ich lebe in Kärnten - einem Dreiländereck, wo man mit Italienisch, Slowenisch und Deutsch eine romanische, eine slawische und eine germanische Sprache auf engstem Raum zusammen hat. Das ist eine großartige Erfahrung, aber auch eine konfliktreiche. Die Beziehung zur slowenischen Minderheit war aufgrund der historischen Konstellation schwierig, wurde aber unter anderem durch die EU immer besser.

In den Kindergärten bei uns können die Kinder Italienisch oder Slowenisch lernen - da zeigt sich, wie groß die Vorurteile noch sind. Lernt ein Kind Italienisch, sagt jeder: "Ah, super!". Lernt das Kind Slowenisch, heißt es: "Was willst du denn mit der Bauern-Sprache?" So etwas ist wichtig, um zu verstehen, warum sich zum Beispiel slawische Völker manchmal abschätzig behandelt fühlen.

Es gibt viele positive Ansätze, aber die müssen wir ausbauen. Ich glaube an die Zivilgesellschaft, daran, Ideen auszutauschen und zu bündeln. Nichts wirkt aus meiner Sicht besser gegen Nationalismus als persönliche Erfahrungen und Netzwerke."

Bild: Jessy Asmus 18. April 2019, 07:122019-04-18 07:12:05 © SZ.de/sebi/saul