Werbespot für die Landtagswahl in Hessen:Die Ja-Sager von der CDU

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Passt doch alles - wozu konkrete Pläne machen? Nach einer von der Landesregierung selbst in Auftrag gegebenen Umfrage fühlen sich 96 Prozent der Hessen wohl in ihrem Bundesland. Ministerpräsident Volker Bouffier nimmt das zum Anlass, in einem Werbespot sein Wahlprogramm auf zwei Buchstaben zu reduzieren.

Von Tobias Dorfer

Die CDU hat es sich in der Mitte bequem gemacht. Von rechts und links sorgt jede Menge Körperwärme für Gemütlichkeit - und damit kein Wähler verprellt wird, besticht der neue Werbespot von Bundeskanzlerin Angela Merkel durch seichte Vokabeln wie "neue Ideen", "gute Arbeit" und "beste Chancen für Kinder". Es fehlt nur, dass sich die Kanzlerin - wie Mutter Beimer in der "Lindenstraße" - an den Herd stellt, und Spiegeleier brät. In den Umfragen steht die CDU jedenfalls so gut da wie lange nicht mehr.

Es wird noch einmal gewählt an diesem 22. September - und da ist die Gefahr für die CDU deutlich größer, dass es in die Hose geht. Denn in Hessen liegen Schwarz-Gelb und Rot-Grün jüngsten Umfragen zufolge etwa gleichauf. Es wird eng für Ministerpräsident Volker Bouffier.

Und deshalb kuschelt nun auch die als streng konservativ geltende Hessen-CDU. Bouffier kumpelt mit Wählern, tätschelt mit hochgekrempeltem Hemd Kinder und Omas und gibt in Interviews zu, "nicht der oberste Spalter" zu sein. Bouffiers wichtigste Botschaft: Hessen ist lebenswert und locker.

Wie gut, dass sich das - ohne größere inhaltliche Streuverluste zu riskieren - in zwei Buchstaben zusammenfassen lässt: "Ja", sagen Menschen im neuesten Werbespot der Hessen-CDU. Ja, ruft der Obsthändler. Jo, sagt der Biker. Ja, kichert die Stewardess. Ja, sagt ein Mann im Rollstuhl. Hmhm, nuschelt der Bauarbeiter mit der Stulle im Mund. Also ja, kiekst die hübsche Rothaarige mit den beiden Äppelwoigläsern in der Hand. Und am Schluss babbelt eine blau-weiß beschürzte Wurstverkäuferin in breitem Hessisch: "Hier gefällt's mer, hier find ich's gut."

Genau genommen sind es sogar 1927 Hessen, die ihr Bundesland gut finden. 2007 Menschen hat das Meinungsforschungsinstitut dimap befragt, 96 Prozent davon fühlen sich in Hessen wohl, so lautet das Ergebnis der unter dem zukunftsweisenden Begriff "Zukunftsmonitor" geführten Studie, deren Ergebnis dem Auftraggeber - der hessischen Landesregierung selbst - sicher gefallen hat. Wobei: Was soll man auf die Frage "Fühlen Sie sich wohl in Hessen?" schon antworten?

Die Opposition von SPD und Grünen ist erwartungsgemäß nicht ganz so zufrieden mit Hessen, was sich auch im Wahlspot von SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel zeigt, zu dessen Beginn die Wolken über der Frankfurter Banken-Skyline doch bedrohlich dunkel wirken. Und an 96 Prozent glückliche Hessen will man bei SPD und Grünen auch nicht glauben. Schließlich seien bei dem Zukunftsmonitor Problemthemen wie der in Städten akute Wohnungsmangel gar nicht abgefragt worden. So wurden 70.000 Euro für eine Umfrage verbrannt, "die nur den Zweck der Selbstbeweihräucherung hat", meckert der SPD-Landtagsabgeordnete Günter Rudolph.

Schäfer-Gümbel macht deshalb, was man als Oppositionspolitiker so macht: Er bemüht sich in seinem Spot um höchste Deutlichkeit, soweit das in 1:30 Minuten möglich ist. Mehr Bildung und mehr Gerechtigkeit verspricht der SPD-Mann. Und außerdem punktet Schäfer-Gümbel noch mit seinem 800-Millionen-Euro-Sack aus Jute, den er auf Wahlkampfveranstaltungen im Gepäck hat. So viel Geld könnte Hessen einnehmen, wenn Steuerflucht und Steuervermeidung besser bekämpft würden. 800 Millionen Euro. Ganz schön konkret für einen Wahlkampf.

Ein wenig konkret wird übrigens auch Volker Bouffier in seinem Spot. Denn 96 Prozent zufriedene Hessen sind ausbaufähig. "Zufrieden bin ich erst, wenn es 100 Prozent sind", verspricht er. Sage noch einer, der Mann würde sich nur durchwursteln.

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