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Weltwirtschaftsforum:Präsident des Selbstlobs

Bei seinem Auftritt in Davos demonstriert Donald Trump wieder einmal eindrücklich: Die Verzweiflung junger Menschen ist ihm egal. Er sieht nur sich selbst.

Wer sich einen Festredner einlädt, verbindet damit die Hoffnung auf einen interessanten Vortrag, der im besten Falle sogar Neues, Überraschendes enthält und unterhaltsam daherkommt. Wer einen solchen Redner möchte, sollte auf Donald Trump verzichten.

Der US-Präsident entpuppte sich in Davos als Wahl, die jedes Festkomitee zur Verzweiflung bringen kann. Sein zweiter Auftritt in den Schweizer Bergen, als Höhepunkt zum 50. Geburtstag des Weltwirtschaftsforums gedacht, geriet zum Sammelsurium des Selbstlobs. Trump redete erst seinen Vorgänger Barack Obama schlecht, der die amerikanischen Arbeiter "verraten und vergessen" habe. Dann setzte er zur Aufzählung seiner fantastischen Leistungen an: historisch hohe Investitionen und Aktienstände, niedrigste Arbeitslosigkeit, bester Lebensstandard der Welt. All das will er als Präsident bewerkstelligt haben.

Doch so viel Plumpheit verfing nicht einmal bei denen, die selbst Anhänger von Wachstum sind. Der Beifall für Trump, dem der Klimawandel kein Wort wert war, blieb mau. Die Führer von Unternehmen und auch die meisten Politiker, die in Davos vertreten sind, müssen sich rechtfertigen - vor Greta Thunberg & Co. Sie spüren den Druck und sehen die Verzweiflung junger Menschen. Trump sieht nur sich selbst.

© SZ vom 22.01.2020
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