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Welthungerhilfe:Für Erdbebenopfer wird gespendet - für Kriegsopfer kaum

Armed conflict in Syria

Flüchtlinge warten in einem syrischen Flüchtlingscamp auf Essen.

(Foto: dpa)
  • Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, stellt den Jahresbericht für 2015 vor.
  • Vor allem die Themen Flucht und Vertreibung prägten die Arbeit der Welthungerhilfe.
  • Die Spendenbereitschaft ist vor allem bei Naturkatastrophen wie in Nepal hoch. Für Opfer der Bürgerkriege in Syrien oder im Südsudan spenden die Menschen deutlich weniger.

Die Zahlen sprechen für sich: 7,2 Millionen Euro gingen im vergangenen Jahr bei der Welthungerhilfe für die Opfer des verheerenden Erdbebens in Nepal ein. Nur knapp zwei Millionen Euro kamen für die Menschen zusammen, die unter den Folgen des Bürgerkriegs in Syrien leiden (1,92 Millionen Euro). Dabei werden Spenden für die Bürgerkriegsopfer dringend benötigt. Die Welthungerhilfe gab für Betroffene in Syrien und im Südsudan zehn Mal mehr Geld aus als für die Nepal-Nothilfe - insgesamt fast 60 Millionen Euro.

"In der Region um Syrien führt die Welthungerhilfe eines der größten Hilfsprogramme der letzten Jahre durch", sagt Vorstandsmitglied Mathias Mogge. Insgesamt verteilte die Welthungerhilfe 2015 im Ausland mehr als 193 Millionen Euro. Neben langfristigen Entwicklungsprojekten waren es vor allem bewaffnete Konflikte und das Leid der Flüchtlinge, die die Hilfsorganisation beschäftigten.

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Warum die Spendenbereitschaft für Erdbebenopfer in Nepal dennoch viel größer ist als für Bürgerkriegsopfer in Syrien, erläutert Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI): "Bei Naturkatastrophen mit spektakulären Bildern, über die Medien viel berichten, ist die Spendenbereitschaft sehr hoch." Mit Opfern von Naturkatastrophen könnten sich mögliche Spender besser identifizieren.

"Bürgerkriege sind für Menschen sehr schwer zuzuordnen"

Menschen spenden auch weniger, wenn die Verhältnisse in Konflikten sehr chaotisch sind. "Bürgerkriege sind für Menschen sehr schwer zuzuordnen - wer ist gut, wer ist böse?", erklärt Daniela Felser vom Deutschen Spendenrat. Durch die chaotische Lage in Bürgerkriegsländern sind Geldflüsse schwer zu durchschauen. "Die Menschen haben Angst, dass ihre Spenden in irgendwelchen Kanälen versickern." Dabei komme das Geld durchaus an - vorausgesetzt, man spendet bei seriösen Organisationen.

Bei Bürgerkriegen, besonders im Falle von Syrien, wo der Bürgerkrieg schon seit Jahren andauere, nehme die Spendenbereitschaft ab. "Langanhaltende Katastrophen rufen bei den Menschen Gewöhnungseffekte hervor", so Wilke vom DZI. Die Arbeit der Welthungerhilfe in Krisengebieten wird zusätzlich erschwert "durch die schlechte Sicherheitslage in den Krisengebieten", sagt Präsidentin Bärbel Dieckmann. Laut dem Aid Worker Security Report gab es 2014 vier Mal so viele Angriffe auf Mitarbeiter von humanitären Organisationen wie im Jahrzehnt zuvor.

Grundsätzlich wäre es laut Wilke besser, frei - also nicht für eine spezifische Sache - zu spenden. Für akute Notfälle wie dem Erdbeben in Nepal sei es verständlich und in Ordnung, dass die Menschen für diese Sache spenden wollten. Bei freien Spenden erhielten Hilfsorganisationen jedoch mehr Handlungsfreiraum - und könnten die Spenden dort einsetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

Wie viel Geld die Welthungerhilfe eingenommen hat

Insgesamt standen der Welthungerhilfe 214,4 Millionen Euro zur Verfügung, darunter 158,9 Millionen an öffentlichen Zuschüssen und 50,2 Millionen Euro an Spenden. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Welthungerhilfe 16 Millionen Euro mehr ein. Dazu beigetragen hat vor allem die hohe Spendenbereitschaft: Hier kamen zehn Millionen Euro mehr als im Vorjahr zusammen. Insgesamt 8,4 Millionen gingen als zweckgebundene Nothilfespenden ein - Menschen spendeten also direkt für Projekte.

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© SZ.de/ghe/jobr
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