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Welthunger-Index 2013:Jeder achte Mensch hungert

Dürre und Hunger in Kenia

Dürre in Kenia: Afrika südlich der Sahara hat weiterhin ein Hunger-Problem.

(Foto: Stephen Morrison/dpa)

Mehr als 842 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Am stärksten vom Hunger betroffen sind die Menschen in Südasien, heißt es im Bericht zum Welthunger-Index 2013. Doch zum wahrscheinlich schlimmsten Hungerland gibt es nicht einmal Zahlen.

Die Welthungerhilfe, eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland, veröffentlicht jedes Jahr den Welthunger-Index (WHI), seit 2006 mit einem dazugehörigen Bericht. In Zusammenarbeit mit dem US-Forschungsinstitut IFPRI und der Hilfsorganisation Concern Worldwide hat die Welthungerhilfe die Ernährungssituation in 120 Ländern untersucht.

  • Insgesamt 842 Millionen Menschen sind weltweit chronisch unterernährt - das sind knapp zwölf Prozent der Bevölkerung. Trotzdem ist die heutige Lage besser als 1990: Die Werte des WHI sind im Vergleich zu damals um 34 Prozent gesunken. Vor allem die Zahl der hungernden Kinder ist zurückgegangen.
  • Unter den Weltregionen verzeichnet Südasien die höchsten Hungerwerte. Die hohen Wachstumsraten in Ländern wie Indien und Bangladesh konnten die schlechte Ernährungslage nicht ausgleichen. Soziale Ungleichheit und speziell der niedrige gesellschaftliche Status von Frauen verstärkten die Probleme in der Region zusätzlich, schreibt die Welthungerhilfe.
  • Afrika südlich der Sahara ist die Region mit den zweithöchsten Hungerwerten. Hier finden sich auch die Länder, deren Bewohner im globalen Vergleich am stärksten unter Hunger leiden: Burundi, Eritrea und die Komoren. Die Situation ist in diesen Ländern laut WHI "gravierend". Vor allem in Burundi und auf den Komoren hat die Zahl der Hungernden seit 1990 rasant zugenommen. Die Ursachen sind in beiden Fällen Bürgerkriege (Burundi) beziehungsweise Putsche und sezessionistische Bestrebungen (Komoren) sowie die andauernde politische Instabilität.
  • Das Ranking der Welthungerhilfe hat jedoch Lücken: Für Länder wie die Demokratische Republik Kongo, Somalia und Afghanistan fehlten den Herausgebern des WHI verlässliche Zahlen. Das Bild ist also unvollständig, denn diese Länder sind Härtefälle. Die Demokratische Republik Kongo war in den letzten Jahren das Land mit den schlechtesten Hungerwerten.
  • Die Herausgeber des WHI stellen ihren diesjährigen Bericht unter den Schwerpunkt "Resilienz": Damit ist die Widerstandsfähigkeit von Menschen gegenüber Krisen und Schocks gemeint. Den Autoren zufolge sollte dies der neue, zentrale Ansatzpunkt für Hungerhilfe werden. Beispielsweise kann eine starke lokale Verwaltung und Infrastruktur die Folgen einer Naturkatastrophe abmildern, weil Hilfsgüter schneller und wirksamer an ihr Ziel gelangen. Auch die Gründung von kommunalen Spargruppen gehöre zu den Instrumenten, mit denen verwundbare Gesellschaften Krisen abfedern können.
  • Der Welthunger-Index setzt sich aus drei Werten zusammen: dem Anteil der unterernährten Menschen in der Landesbevölkerung, dem Anteil der untergewichtigen Kinder unter fünf Jahren sowie deren Sterblichkeitsrate. Mit diesem mehrdimensionalen Wert will die Welthungerhilfe ein umfassenderes Bild der Ernährungslage zeichnen. Denn: Für Kinder seien die Folgen von Hunger viel schlimmer als für Erwachsene, so die Welthungerhilfe. Der Welthunger-Index bilde deshalb die globale Ernährungssituation besser ab als beispielsweise die Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO).

Linktipp: Themenseite der Welthungerhilfe zum Welthunger-Index 2013.

© Süddeutsche.de/rst/liv
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