Weltbild von Benedikt XVI.:"Großinquisitor aus Marktl am Inn"

Abtreibungsgesetze, AIDS-Bekämpfung, Homo-Ehe: Der Papst wurde wegen seiner Äußerungen oft kritisiert. Die Geschichte seiner konservativen Positionen in Bildern.

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Auslöser der aktuellen Debatte ist Bischof Richard Williamson von der traditionalistischen Pius-Bruderschaft und die Aufhebung seiner Exkommunikation durch Papst Benedikt XVI. Williamson hatte in einem Interview am Rande einer Priesterweihe in Bayern bestritten, dass es in den Konzentrationslagern der Nazis Gaskammern zur Tötung von Juden gegeben habe. Er behauptete weiter, dass im Zweiten Weltkrieg höchstens 200.000 bis 300.000 Juden umgekommen seien.

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Kritik gab es auch seitens des Zentralrats der Juden in Deutschland. Dessen Präsidentin Charlotte Knobloch brach vorerst den Dialog mit Vertretern der katholischen Kirche ab.

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Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte das Oberhaupt der katholischen Kirche zu einer Klarstellung auf. Merkel sagte, der Papst müsse "sehr eindeutig" erklären, dass es keine Leugnung des Holocaust geben dürfe. Zugleich rief sie den Papst dazu auf, unmissverständlich deutlich zu machen, dass es "einen positiven Umgang mit dem Judentum insgesamt" geben müsse. "Diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt", sagte Merkel. Mittlerweile hat sie Reaktion des Vatikans auf ihre Kritik begrüßt und als wichtiges Signal gewürdigt.

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Papst Benedikt gilt von jeher als sehr konservativ: Er wurde im bayerischen Marktl am Inn geboren und wuchs als Sohn eines Gendarmen auf. Der junge Joseph Ratzinger widmete sich früh ganz der Kirche.

Foto: AP, im Bild: Familie Ratzinger nach der Priesterweihe der Brüder Georg und Joseph (oben rechts) 1951.

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Bereits 1958 wurde Ratzinger im Alter von 31 Jahren Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Freisinger Hochschule.1962 bis 1965 nahm er als offizieller Konzilstheologe am Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom teil. Zu dieser Zeit trat Ratzinger als junger Theologe mit einer durchaus reformfreudigen Einstellung auf.

Foto: AP, Archivbild von 1955

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1977 berief Papst Paul VI. Ratzinger zum Erzbischof von München und Freising und wenig später in den Kardinalsstand. Vier Jahre später, im April 1981, ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Präfekten der Glaubenskongregation, der höchsten und zentralen Instanz für die Interpretation und Verteidigung der katholischen Lehre, sowie zum Präsidenten der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission.

Foto: dpa, Archivfoto von 1983, Kardinal Ratzinger mit Papst Johannes Paul II.

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Ratzingers konservative Linie ließ nach Beobachtermeinung im Laufe seiner römischen Amtsjahre Dialogfähigkeit in grundlegenden Glaubensfragen kaum zu. So kritisierte er 1991 die Abtreibungsgesetze der entwickelten Staaten ("Kultur des Todes"). Ratzinger verteidigte auch weiter das von Johannes Paul II 1994 verfügte Nein zum Frauenpriestertum. Die Süddeutsche Zeitung betitelte ihn als "Großinquisitor aus Marktl am Inn" (1996). Für Aufregung und internationale Proteste sorgte auch das von Ratzinger im Juni 2000 vorgelegte Dokument "Dominus Jesus". Es betont klar die Vorherrschaft der katholischen Kirche vor allen anderen Glaubensgemeinschaften und lehnt den Begriff "Schwesterkirchen" ab - ein Rückschlag für die Ökumene.

Foto: AP, Archivbild von 1992

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Umstrittene Äußerungen und Auftritte hat es auch im Pontifikat Benedikts gegeben: Auch nach einem ersten Zusammentreffen mit afrikanischen Bischöfen hielt der Papst 2005 an der unnanchgiebigen Haltung des Vatikans in der AIDS-Bekämpfung fest. 2006 zitierte Benedikt in einer Vorlesung an der Universität Regensburg einen spätmittelalterlichen byzantinischen Kaiser, der geschrieben hatte, dass der Prophet Mohammed nur "Schlechtes und Inhumanes" getan habe. In der muslimischen Welt brach ein Sturm der Entrüstung los, den der Vatikan nur mühsam besänftigen konnte.

Foto: AP

(sueddeutsche.de/cop/bosw/cmat)

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