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Welt im Wandel:Kaleidoskop der Krisen

Atlas der Globalisierung (2019)
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Art.Nr.: 12437

Stefan Mahlke (Hrsg.), Adolf Buitenhuis (Karten und Grafiken): Atlas der Globalisierung. Welt in Bewegung. Le Monde diplomatique – taz, Berlin 2019. 184 Seiten, 18 Euro (E-Book inklusive)

Der "Atlas der Globalisierung" liefert Orientierung von links. Mehr als 60 Beiträge analysieren die Phänomene Klima, Ernährung und Kapitalismus.

Im neuen "Atlas der Globalisierung" könnte vorneweg stehen: "Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern mit neuen Augen zu sehen." Formuliert hat das der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871 - 1922) zu einer Zeit, als die Folgen des Industriekapitalismus global noch weniger sichtbar waren. Wie dramatisch dagegen heute die "Welt in Bewegung" ist (so der Untertitel), das verdeutlicht diese großformatige Broschur in zumeist anschaulicher Sachprosa und pastellfarbenen Infografiken.

Auch die sechste Atlas-Ausgabe ist wieder eine rot-grün inspirierte Koproduktion der französischen Monatszeitung Le Monde diplomatique und der Berliner taz. Damit liegt keine geografische Orientierungshilfe vor, eher ein illustriertes Nachschlagewerk (ohne Register), ähnlich dem inzwischen eingestellten Fischer Weltalmanach. Allerdings sind hier die Texte nicht alphabetisch nach Ländern, sondern nach Themenbereichen geordnet und von weitaus mehr Autoren verfasst.

Es sind vor allem Journalisten deutscher Qualitätszeitungen und einige Sozialwissenschaftler, die mehr als sechzig Beiträge geliefert haben. Zusammengefasst in sieben Kapiteln informiert ihr globalisierungskritisches Kaleidoskop über die Klimakrise und Welternährung, demografische Veränderungen, den Kapitalismus und über politische Konflikte; schließlich folgen noch Essays über Migration, die Zukunft der Zivilgesellschaft und über Gefahren für die Demokratie. Bei den inhaltlichen Akzenten und auch in der Argumentationsweise fallen natürlich Unterschiede auf.

Zum Beispiel versucht der Kulturanthropologe Joseph Grim Feinberg (Prag) "Europas neue Rechte" zu charakterisieren. Dabei theoretisiert er viel und polemisiert diffus gegen Liberale. Interessanter wäre es freilich, wenn er die gleichfalls abgedruckte Kartenskizze zur jüngsten Bundestagswahl interpretiert hätte; auf ihr sind verschiedene AfD-Ergebnisse in Ost- und Westdeutschland markiert.

Exemplarisch aufgeblättert seien noch vier Seiten zu einem Staat, der hier auch in anderen Beiträgen kritisch erwähnt wird: China. Da sind, übersichtlich gestaltet, die chinesischen Schifffahrtsrouten und Warenexporte kartiert; da zeigt eine Doppelseite grafisch umgesetzte Wirtschaftsdaten im Vergleich zur westlichen Konkurrenz. Mit diesen visualisierten Informationen wird der Leser aber nicht alleingelassen. Ein kenntnisreicher Artikel der taz-Wirtschaftsredakteurin Ulrike Herrmann erklärt die teils paradoxe Situation in der Volksrepublik ohne Yin und Yang: "Der Widerspruch in China ist kleiner, als er aussieht. Staat und Kapitalismus waren noch nie ein Gegensatz, sondern haben sich immer bedingt."