Welt-Atombehörde:Amano wird neuer Chef

Der japanische Spitzendiplomat erreicht bei der Wahl zum IAEA-Generaldirektor nur knapp die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit.

Paul-Anton Krüger

Der japanische Diplomat Yukiya Amano wird neuer Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien. Der Gouverneursrat wählte den 1947 geborenen IAEA-Botschafter Japans mit der knappsten möglichen Mehrheit zum Nachfolger von Mohammed el-Baradei, der Ende November nach drei Amtszeiten ausscheidet. Amano erhielt im vereinfachten Wahlverfahren 23 Stimmen bei elf Gegenstimmen und einer Enthaltung.

Welt-Atombehörde: Der neue Generaldirektor der IAEA: Yukiya Amano.

Der neue Generaldirektor der IAEA: Yukiya Amano.

(Foto: Foto: Reuters)

Er erreichte die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit nur, weil Enthaltungen in dieser Phase des Wahlverfahrens nicht mehr in die Berechnung einbezogen werden. Amano soll an diesem Freitag offiziell für die vier Jahre dauernde Amtszeit nominiert werden und muss dann noch von der IAEA-Generalversammlung bestätigt werden. Beides gilt aber als reine Formsache.

Bei der ersten Wahl Ende März hatte Amano den Widerstand der Blockfreien sowie der Entwicklungsländer nicht überwinden können; er hatte auch bei der Schlussabstimmung zwölf Staaten gegen sich gehabt. Sie hatten seinen Gegenkandidaten Abdul Samad Minty unterstützt. Der IAEA-Botschafter Südafrikas erhielt am Donnerstag im zweiten und dritten Wahlgang je zwölf Stimmen, bevor dann nur noch über Amano abgestimmt wurde. Der Spanier Luis Echavarri, Chef der Atomenergieabteilung bei der OECD, war mit fünf Stimmen in der ersten Runde ausgeschieden.

Amano gilt als erfahrener Diplomat und hat sich über weite Strecken seiner Laufbahn mit den Themen Atomenergie, Abrüstung und Nichtweiterverbreitung befasst. In den Jahren 2005 und 2006 saß er dem Gouverneursrat vor. Als 2005 die IAEA und el-Baradei zu gleichen Teilen mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurden, nahm er die Auszeichnung für die Behörde entgegen. Sein Botschafteramt in Wien hatte er im August 2005 angetreten, nachdem er zuvor über mehr als ein Jahrzehnt hohe Funktionen im Außenministerium in Tokio bekleidet hatte. Der Jurist war zudem daran beteiligt, wichtige Verträge wie den Atomteststopp-Vertrag auszuhandeln. Amano nennt die Geschichte Japans, das zwei Atombombenabwürfe erleiden musste, als wichtigste Triebkraft seines Einsatzes für Abrüstung und gegen die Weiterverbreitung dieser Waffen.

Kritiker trauen Amano jedoch nicht zu, die Rolle auszufüllen, die el-Baradei in den vergangenen Jahren immer stärker einnahm, als er als Vorkämpfer für Abrüstung auftrat und auch die offiziellen Atommächte kritisierte. Amano hat angekündigt, sich auf das Management zu konzentrieren; er fasst das Mandat an der IAEA-Spitze eng und eher technisch auf. Viele Industriestaaten, die Amano unterstützt hatten, versprechen sich davon eine Entpolitisierung der IAEA, deren Effektivität lange unter politischem Streit gelitten hatte - nicht zuletzt zwischen den USA und el-Baradei, nachdem dieser die Begründung des Irak-Kriegs öffentlich zurückgewiesen hatte. Dagegen genießt die IAEA vielerorts vor allem wegen der Unabhängigkeit el-Baradeis Glaubwürdigkeit und Respekt.

© SZ vom 03.07.2009
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