bedeckt München
vgwortpixel

Pannenserie beim Secret Service:Bewaffneter fuhr mit Obama Aufzug

  • Ein bewaffneter Mann konnte offenbar unbehelligt gemeinsam mit US-Präsident Obama in einem Fahrstuhl fahren. Das berichtet die Washington Post.
  • Der Vorfall hat sich demnach Mitte September während eines Besuchs Obamas in Atlanta ereignet.
  • Der Secret Service steht wegen einer Reihe von Pannen in der Kritik.
  • Der Irak-Veteran, dem es vor einigen Tagen gelungen ist, ins Weiße Haus einzudringen, ist in mehreren Punkten angeklagt worden.

Mann mit Schusswaffe konnte mit Obama Fahrstuhl fahren

Der Secret Service, die Personenschützer des US-Präsidenten, steht aktuell wegen mehreren Pannen in der Kritik: Vor einigen Tagen ist es einem offenbar bewaffneten Irak-Veteranen gelungen, über den Zaun des Weißen Hauses zu klettern und bis in die Empfangsräume des Gebäudes zu gelangen. Im November 2011 feuerte ein Mann sieben Schüsse auf das Weiße Haus ab.

Nun wurde eine weitere Panne der Präsidenten-Leibwächter bekannt. Einem Bericht der Washington Post zufolge ließen die Personenschützer einen Mann zu Obama in den Aufzug, als der US Präsident zu Besuch bei der Seuchenbehörde CDC in Atlanta war. Bei dem Mann handelt es sich dem Bericht zufolge um einen Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, der bereits dreimal wegen Angriffen und Körperverletzung verurteilt worden sei. Als Erstes hatte der Washington Examiner über den Vorfall berichtet.

Bei Überprüfung der Identität fällt Vorstrafenregister auf

Der Washington Post zufolge wurden Obamas Leibwächter auf den Mann aufmerksam, als dieser mit seinem Handy den Präsidenten während der Aufzugfahrt filmte - und damit auch auf Anweisung nicht aufhören wollte. So berichten es mehrere mit dem Fall vertraute Personen der Zeitung. Nachdem der Präsident mit mehreren Bodyguards ausgestiegen war, blieb ein Teil der Agenten zurück, um den Verdächtigen zu befragen. Bei der Überprüfung der Identität fiel dann das Vorstrafenregister des Mannes auf.

Prompt kündigte die Sicherheitsfirma den Mann, der daraufhin seine Waffe abgab. Zur Überraschung der Secret-Service-Mitarbeiter, die gar nicht bemerkt hatten, dass der Verdächtige bewaffnet war, als er sich in nächster Nähe des US-Präsidenten aufhielt, wie die Washington Post berichtet.

Seine Fahrt mit Obama im Aufzug sei ein Verstoß gegen Sicherheitsprotokolle des Secret Service, berichtete das Blatt. Die Agenten hätten nicht gewusst, dass er während seiner Begegnung mit Obama bewaffnet war. Ein klarer Verstoß gegen das Sicherheitsprotokoll.

Den Insider-Informationen zufolge wurde der Präsident nicht über den Vorfall informiert. Secret-Service-Chefin Julia Pierson beauftragte zwar eine hochrangige Führungskraft, sich der Sache anzunehmen, die Einheit, die Protokollverstöße untersucht, informierte sie jedoch offenbar nicht.

Irak-Veteran in drei Punkten angeklagt

Der Irak-Veteran, der über den Zaun des Weißen Hauses kletterte und bis weit ins Haupthaus vordrang, ist in drei Punkten angeklagt worden. Der 42-jährige Omar Gonzalez müsse sich für das unerlaubte Betreten eines abgegrenzten Grundstücks oder Gebäudes verantworten, teilte das Justizministerium mit.

Zudem wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, eine gefährliche Waffe bei sich getragen zu haben, was in der US-Hauptstadt Washington verboten ist. Der dritte Anklagepunkt lautet unerlaubter Besitz von Munition.

Gonzalez hatte bei dem Vorfall am 19. September ein Klappmesser mit einer fast zehn Zentimeter langen, gezackten Klinge bei sich und hatte in seinem Auto rund 800 Schuss Munition sowie zwei Beile und eine Machete gehortet. Ihm drohen nach Angaben des Ministeriums maximal 16 Jahre Haft.

Secret-Service-Chefin übernimmt Verantwortung

Am Vortag hatte die Chefin des Secret Service, Julia Pierson, die Verantwortung für die jüngsten Sicherheitspannen übernommen. Das Eindringen eines mit einem Messer bewaffneten Mannes in den Präsidentensitz sei "inakzeptabel", sagte Pierson am Dienstag bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus in Washington. "Ich übernehme die volle Verantwortung, und es wird nie wieder passieren." Ihre Behörde habe eine Untersuchung eingeleitet.

Linktipp:

© Süddeutsche.de/dpa/sks/hai
Zur SZ-Startseite