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Weitere Enthüllungen:Petraeus-Saga wird zur Telenovela

Die Affäre um den zurückgetretenen CIA-Chef Petraeus wird immer mehr zu einer Seifenoper: Nun kommt auch noch ein verliebter FBI-Agent ins Spiel, der die Droh-Mails von Petraeus' Ex-Geliebter an eine vermeintliche Rivalin untersuchte. Er war es offenbar auch, der die Angelegenheit an einen mächtigen Republikaner weitergab - und damit womöglich indirekt für Petraeus' Sturz sorgte.

Die Affäre um den zurückgetretenen CIA-Chef David Petraeus nimmt immer mehr die Züge einer Seifenoper an: Am Montagabend haben Augenzeugenberichten zufolge FBI-Beamte das Haus seiner zeitweiligen Geliebten Paula Broadwell durchsucht. Zudem prüft das Pentagon, ob der aktuelle Kommandeur der US-Streitkräfte in Afghanistan, General John R. Allen, einen "möglicherweise unangemessenen" E-Mails-Verkehr mit Jill Kelley gepflegt hat - einer Frau, die ebenfalls in den Petraeus-Skandal verwickelt ist.

Inzwischen kommen immer delikatere Details zur Vorgeschichte der Petraeus-Affäre ans Licht. Eifersucht, Eitelkeit, E-Mails - diese Komponenten waren schon bekannt, doch nun hat die renommierte Wirtschaftszeitung Wall Street Journal neue Details aufgetan, die eher an eine Telenovela erinnern. Demnach führte die Eifersucht eines FBI-Agenten in Florida zum Sturz des hochdekorierten Ex-Generals.

Am Beginn der verrückten Geschichte stehen Droh-E-Mails, die Petraeus' Ex-Geliebte Paula Broadwell an die 37-jährige Jill Kelley schrieb. Der ehemalige CIA-Chef hatte Kelley in Florida kennengelernt, als er dort zwischen 2008 und 2010 eines von sechs Regionalkommandozentren der US-Streitkräfte leitete. Sie schaltete einen befreundeten FBI-Agenten ein, als sie anonyme E-Mails erhielt. In denen wurde ihr unter anderem vorgeworfen, Petraeus unsittlich unter dem Tisch berührt zu haben.

Platonische Freundin, verliebter FBI-Agent

Der FBI-Mann habe die Informationen an ein Cybersecurity-Team geleitet und so den Skandal ins Rollen gebracht: Zunächst wurde Paula Broadwell, die Autorin einer äußerst positiven Petraeus-Biografie als Absenderin der Droh-E-Mails identifiziert, dann fand das FBI heraus, dass die Ex-Soldatin eine Affäre mit dem CIA-Chef hatte.

Weitere heikle Aspekte haben zwei Ermittlungsbeamte nun dem Wall Street Journal berichtet. Demnach sei der anfänglich eingeschaltete FBI-Agent "persönlich involviert" und zunehmend "besessen" von der Causa gewesen: Offenbar war er in die verheiratete, dreifache Mutter Jill Kelley verliebt. Sogar Oben-ohne-Fotos von sich habe er ihr geschickt. Die Vorgesetzten hätten dem Agenten untersagt, sich weiter mit dem Fall zu beschäftigen. Sein Verhalten werde nun auch vom Office of Professional Responsibility, der internen Kontrollstelle des FBI, untersucht.

Der Bruder von Kelley, die noch am Vortag vergeblich um Wahrung ihrer Privatsphäre gebeten hatte, sagte der Washington Post, seine Schwester hätte nicht erwartet, dass ihre Beschwerde beim FBI zum Ende der Karriere ihres langjährigen platonischen Freundes David Petraeus führen würde. Wörtlich habe sie gesagt: "Ich habe nichts falsch gemacht. Ich bin das Opfer in dieser Sache. Aber es fühlt sich schrecklich an."

FBI-Mann informierte Republikaner

Im gleichen Artikel berichten die Post-Redakteure, dass Petraeus vergeblich versucht habe, Broadwell zu überzeugen, keine E-Mails mehr an Kelley zu schicken. Diese Warnung habe der heute 60-Jährige ungefähr zum gleichen Zeitpunkt ausgesprochen, zu dem er die Affäre mit der zweifachen Mutter beendete.

Peter Mansoor, ein enger Mitarbeiter des Generals während dessen Stationierung im Irak, teilte mit, dass die "körperliche Beziehung" einige Monate nach Petraeus' Rückkehr aus Afghanistan begonnen habe - der Ex-General trat seinen Posten als Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA in Langley im Sommer 2011 an. Laut Mansoor hatte Petraeus zunächst nicht vor, wegen des Seitensprungs abzutreten: "Doch als er wusste, dass die Sache publik werden würde, war ihm klar, dass ein Rücktritt die richtige Entscheidung ist."

Dem Wall Street Journal zufolge wandte sich jener FBI-Agent, dessen Zuneigung von Jill Kelley nicht erwidert wurde, Ende Oktober an Eric Cantor. Erst Cantor, als House Majority Leader einer der mächtigsten Republikaner im Repräsentantenhaus, informierte FBI-Direktor Robert Mueller über die Untersuchungen des FBI zu Petraeus.

Die Washington Post zitiert eine mit den Ermittlungen vertraute Person: "Ich weiß nicht, ob die Angelegenheit ohne Cantor genauso abgelaufen wäre." Das lässt sich so interpretieren, dass das FBI womöglich gewillt war, die Sache nicht öffentlilch zu machen - zumal niemandem ein strafrechtliches Vergehen vorgeworfen wird. Die New York Times berichtet unter Berufung auf ihre Quellen, der FBI-Mann habe aufgrund seiner "Weltsicht" möglicherweise den Verdacht gehegt, die Ermittlungen seien gestoppt worden, um Präsident Barack Obama zu schützen.