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Weißes Haus:Trump und Lawrow lächeln am falschen Ort

Trump trifft Lawrow

US-Präsident Donald Trump unterhielt sich gut mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow (links) und dem russischen Botschafter Sergej Kisljak bei einem Treffen im Oval Office.

(Foto: dpa)

Fotos des US-Präsidenten mit Russlands Außenminister im Oval Office irritieren. Und zwar nicht nur wegen der fast zeitgleichen Entlassung von FBI-Chefs Comey.

Von Olivia Kortas

Gerne hätte der russische Außenminister Sergej Lawrow das Oval Office schon früher von innen gesehen. Das symbolische Machtzentrum der Vereinigten Staaten betreten ausländische Gäste nur dann, wenn sie Staats- oder Regierungschef sind.

Empfängt ein amerikanischer Präsident dort einen Minister, gilt das als Ehre. Doch mit Barack Obama als US-Präsident war das für Lawrow nicht zu machen - das Verhältnis zwischen Washington und Moskau war nicht nur wegen des Krieges in der Ukraine dauergespannt.

Nun liegen die Dinge anders und das liegt an Donald Trump. Der hat schon im Wahlkampf keinen Hehl daraus gemacht, dass er der russischen Führung um Präsident Wladimir Putin durchaus Sympathien entgegenbringt. Am Mittwoch brach Trump auch mit Obamas Lawrow-Linie und lud den Russen zum Gespräch ins Präsidentenbüro.

Moskaus Chefdiplomat nutzte seine Chance. Lawrow ließ die ganze Welt am Plausch im Oval Office teil haben - zumindest optisch. Kurz nachdem Trump seinen Besucher verabschiedet hatte, veröffentlichte die russische Nachrichtenagentur Tass Fotos des Treffens. Darauf zu sehen: Trump mit Lawrow und dazu noch der russische Botschafter Sergej Kislyak. Die Männer lächeln entspannt, sie scheinen sich prächtig unterhalten zu haben.

Die gute Stimmung im Weißen Haus hat sich schnell verflüchtigt. Denn Journalisten waren ausdrücklich vom Treffen ausgeschlossen. Die Hauptstadtkorrespondenten und Kameraleute - alle mussten vor der Tür bleiben. Nur ein Hausfotograf des Weißen Hauses und einer des Kremls durften knipsen. Aus Sicht Russlands gilt offenbar ein Fotograf der staatlichen Nachrichtenagentur Tass auch als Hausfotograf - und umgekehrt.

Das russische Außenministerium half auch noch bei der Verbreitung der Fotos und teilte die Bilder auf der Plattform Flickr. Wie konnte das passieren? Die US-Seite zeigte sich düpiert: Die Doppelrolle des Fotografen habe die russische Seite nicht erwähnt, versicherte das Weiße Haus. Die Fotos hätten nicht veröffentlicht werden dürfen, sondern seien nur als Archivmaterial gedacht gewesen.

Der Foto-Fauxpas passierte der Trump-Administration zu einem ohnehin schwierigen Zeitpunkt.

Denn nur 16 Stunden vor Lawrows Besuch hatte Trump den FBI-Chefs James Comey gefeuert. Comey hatte die russischen Kontakte des Trump-Teams untersucht und zuletzt sogar forciert. Wohl auch deshalb durften Medienvertreter nicht mit ins Oval Office - Fotos von Trump mit gut gelaunten Russen sollten tunlichst vermieden werden. Obendrein ist Kislyak für Trump besonders problematisch, schließlich stolperte der Sicherheitsberater Michael T. Flynn über seine Kontakte zum Botschafter.

Außerdem stellt sich die Frage, wie wirkungsvoll Sicherheitsvorkehrungen im Weißen Haus sind, wenn nicht auffällt, dass ein Agenturfotograf ins Arbeitszimmer des Präsidenten schlüpft. Der Ex-Geheimdienstoffizier Wladimir Putin hätte sicherlich eine gute Antwort darauf.

© SZ.de/oko/odg/ghe
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