bedeckt München 11°

Weißes Haus:Trump erträgt keinen Strippenzieher neben sich

Auch deshalb hat er seinen Chefstrategen Bannon gefeuert. Gleichwohl ist es gut: Der Extremist hätte nie politische Verantwortung tragen dürfen.

Kommentar von Hubert Wetzel

Ein Mann wie Stephen Bannon sollte keine Regierungsverantwortung bekommen. Bannon sieht sich selbst als Revolutionär, als "Leninist", wie er gesagt hat, als Sprengmeister, der die überkommene Ordnung in Trümmer legt. Nachdem er vor sieben Monaten als "Chefstratege" von Präsident Trump ins Weiße Haus eingezogen war, verkündete er, dass er sich jetzt daranmachen werde, den Staat zu zerstören, den er eigentlich beschützen und dem er dienen sollte.

Nun mag es Länder und Gesellschaften geben, die eine Revolution gut gebrauchen könnten. Es mag staatliche Ordnungen geben, die so verkommen sind, dass sie abgerissen werden müssen wie morsche Häuser. Aber die Vereinigten Staaten von Amerika sind kein solches Land.

Die USA sind eine fast 250 Jahre alte, erprobte und immer noch funktionierende Demokratie. Die amerikanische Gesellschaft ist zwar gespaltener und zerrissener, als ihr guttut. Aber der Streit wird im Großen und Ganzen auf dem Weg ausgetragen, den die Verfassung vorsieht: durch Wahlen. Man kann eine lange Liste von Dingen anfertigen, die Amerika braucht. Eine Revolution gehört nicht dazu, schon gar keine sozial-nationale, wie sie Bannon vorschwebt.

Bannon hat ein dystopisches Bild von Amerika, er glaubt, das Land sei dem Untergang geweiht, wenn es sich nicht grundlegend wandelt. Das hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Aber nur so kann er Radikalität und Zerstörung als politische Mittel rechtfertigen. Doch keines der Probleme, die Amerika plagen, erfordert einen Umsturz. Im Gegenteil: Aufbau täte dem Land besser als Abriss. Aber für Aufbau fühlt sich Bannon nicht zuständig.

Insofern ist es gut, dass Stephen Bannon nicht mehr im Machtzentrum der USA arbeitet. Er kann als alter und neuer Leiter der rechtspopulistischen Propagandaseite Breitbart News trotzdem noch allerlei Schaden anrichten. Aber jetzt fehlen ihm die unmittelbare Autorität, die Befugnisse und der Einfluss, die ein Büro im Weißen Haus mit sich bringen.

Eigentlich ist Trump unsicher und kleinlich

Mehr Gutes lässt sich allerdings über Bannons Rauswurf nicht sagen. Durch die Entlassung des Großmaul-Strategen wird Trump kein besserer Präsident. Trump hatte sieben Monate Zeit, um zu zeigen, ob er tauglich ist für das Amt, das er sich erobert hat. Er hat das Gegenteil bewiesen, er ist in jeder Hinsicht unfähig.

Es gibt Menschen, die an einer schwierigen Aufgabe wachsen, die größer werden, je mehr sie herausgefordert werden. Doch Trump ist im Amt nicht gewachsen, bei ihm blähen sich nur seine Egomanie, seine Ignoranz, seine Gehässigkeit auf. Wer allerdings seine Tweets liest, der merkt, dass er eigentlich ein schwacher, unsicherer, kleinlicher Charakter ist. Es ist kein Zufall, dass er Bannon auch gefeuert hat, weil dessen Ruf als allmächtiger Strippenzieher Trumps Eitelkeit verletzte.

Daran, dass Trump Trump ist, wird sich nichts Nennenswertes ändern, egal, wer im Weißen Haus der "Chief Strategist" ist. Das Grundproblem bleibt: Ein Mann wie Donald Trump sollte keine Regierungsverantwortung bekommen.

© SZ vom 21.08.2017/lho

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite