Wulffs Weihnachtsansprache "Alle müssen in Sicherheit leben können"

In seiner Weihnachtsansprache äußert sich Bundespräsident Wulff schockiert über die "rassistisch verblendeten Verbrecher" der Zwickauer Terrorzelle - und ruft die Deutschen zur Verteidigung der Demokratie gegenüber Extremisten auf. Die Kreditaffäre erwähnt er nicht.

Von Nico Fried, Berlin

Bundespräsident Christian Wulff hat in seiner Weihnachtsansprache an die Bürgerinnen und Bürger appelliert, gemeinsam für eine offene Gesellschaft zu arbeiten. In Deutschland gebe es "keinen Platz für Fremdenhass, Gewalt und politischen Extremismus", sagte Wulff in der Ansprache, die am ersten Weihnachtsfeiertag ausgestrahlt wird.

Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Weihnachtsansprache 2011 im Schloss Bellevue.

(Foto: AFP)

Wulff widmete einen Großteil des knapp fünfminütigen Auftritts der Beschäftigung mit der Serie rechtsradikal motivierter Morde, die vor wenigen Wochen aufgedeckt worden war. Wie schon im vergangenen Jahr hatte Wulff zur Aufzeichnung der Ansprache am vergangenen Mittwoch ehrenamtlich engagierte Menschen in das Schloss Bellevue nach Berlin eingeladen.

"Alle müssen in unserem Land in Sicherheit leben können", sagte Wulff. Umso stärker sei der Schock darüber gewesen, "dass rassistisch verblendete Verbrecher über viele Jahre Menschen ausländischer Herkunft geplant ermordet haben. Das haben wir nie für möglich gehalten", sagte der Bundespräsident.

Wulff fordert Offenheit gegenüber Fremden

"Wir schulden den Angehörigen und Freunden der Ermordeten und den Verletzten Mitgefühl und Respekt. Wir schulden nicht nur den Opfern die lückenlose Aufklärung dieser Verbrechen und die unnachsichtige Verfolgung der Täter und ihrer gewissenlosen Unterstützer." Zugleich forderte Wulff zur Wachsamkeit auf und zur "Bereitschaft, für unsere Demokratie und das Leben und die Freiheit aller Menschen in unserem Land einzustehen".

Der Bundespräsident berichtete von seiner Begegnung mit Angehörigen der Ermordeten vor wenigen Tagen. Wulff hatte sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu einem Treffen eingeladen. Die Gespräche mit ihnen hätten ihn "tief bewegt", sagte Wulff. "Viele haben erzählt, dass sie nicht nur einen geliebten Menschen verloren haben, sondern plötzlich selbst verdächtigt wurden. Sogar Freunde und Verwandte zogen sich teilweise zurück."

Der Bundespräsident appellierte an jeden Einzelnen, sich im Alltag um Offenheit gegenüber Fremden zu bemühen: "Es hängt auch von mir selbst ab, welches geistige Klima in meiner eigenen Familie, in meiner religiösen Gemeinde, in meinem Stadtteil oder in meinem Verein herrscht", sagte Wulff.

Im "Geist der Gemeinsamkeit" aus der Krise

Der Bundespräsident ging auch auf die Schuldenkrise ein. Regierung und Opposition hätten in den vergangenen Monaten "unter höchstem Druck gemeinsam weitreichende Entscheidungen getroffen", sagte Wulff. "In diesem Geist der Gemeinsamkeit wird es auch mit unseren Freunden in Europa und der Welt gelingen, den Weg aus der Krise zu gehen."

Dabei sei es wichtig, Europa als gemeinsame Heimat und kostbares Erbe zu begreifen. "Es steht für die großen Werte der Freiheit, der Menschenrechte und der sozialen Sicherheit." Deutschland habe selber immer wieder europäische Solidarität erfahren, "und wir sind auch zukünftig solidarisch gegenüber Europa".

Wulff dankte für die Hilfsbereitschaft der Deutschen und würdigte insbesondere den Einsatz der Bundeswehr im Ausland. Den Ehrenamtlichen bescheinigte er, über das zu Erwartende hinaus für den notwendigen Zusammenhalt der Gesellschaft zu sorgen.