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Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten:Gauck spricht sich gegen Abschottung Deutschlands aus

Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten

In seiner Weihnachtsansprache wirbt Bundespräsident Joachim Gauck für "die tägliche Achtung voreinander und das tägliche Achtgeben aufeinander".

(Foto: dpa)
  • Bundespräsident Joachim Gauck wirbt in seiner Weihnachtsansprache dafür, Flüchtlingen zu helfen.
  • Gauck warnt in der Rede auch davor, sich von Ängsten leiten zu lassen und spielt mehrmals auf die Pegida-Bewegung an.

Bundespräsident Joachim Gauck geht auf Distanz zu den Pegida-Demonstranten. In seiner Weihnachtsansprache wirbt Gauck um Verständnis für Flüchtlinge. Außerdem spricht er sich gegen eine Abschottung Deutschlands aus. Der Bundespräsident sagt, es sei "ein deutliches Zeichen für die Menschlichkeit in unserer Gesellschaft", dass es mittlerweile eine große Bereitschaft gebe, Flüchtlinge aufzunehmen. "Dass wir mitfühlend reagieren auf die Not um uns herum, dass die Allermeisten von uns nicht denen folgen, die Deutschland abschotten wollen, das ist für mich eine wahrhaft ermutigende Erfahrung dieses Jahres", findet Gauck.

Die Ansprache soll am 25. Dezember ausgestrahlt werden. Der Bundespräsident erwähnt in ihr Pegida nicht wörtlich. Aber die Anspielungen auf die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands" sind eindeutig. Im Präsidialamt heißt es dazu, eine offene Konfrontation mit Pegida hätte dem Charakter einer Weihnachtsansprache widersprochen.

Gauck hatte bereits in seinen letzten beiden Weihnachtsansprachen auf die schlimme Lage der Flüchtlinge aufmerksam gemacht. 2013 forderte er die Deutschen auf, sich zu fragen: "Tun wir wirklich schon alles, was wir tun könnten?"

"Kein Friede ist selbstverständlich"

Eckpfeiler der diesjährigen Ansprache des Präsidenten sind die beiden Weihnachtsbotschaften "Friede auf Erden" und "Fürchtet euch nicht". Die Botschaft "Friede auf Erden" klinge nach einem Jahr voller Friedlosigkeit auf der Welt besonders dringlich, sagt Gauck. "Denn wir spüren: Kein Friede ist selbstverständlich." Die Bundesrepublik sei heute "ein Land des Friedens". Deshalb müssten die Deutschen alles tun, was in ihrer Macht stehe, um Frieden zu stiften und Leid zu lindern.

Jeder könne "einen Beitrag leisten, damit der Wärmestrom lebendig bleibt, ohne den die Welt kalt und friedlos wäre: Indem wir uns engagieren, wenn unsere Mitmenschen Hilfe brauchen, indem wir Bedrohten Frieden und Verfolgten Schutz bieten". Eine menschliche Gesellschaft brauche "die tägliche Achtung voreinander und das tägliche Achtgeben aufeinander".

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Gauck warnt davor, sich von Ängsten leiten zu lassen

Die zweite Weihnachtsbotschaft sieht der Bundespräsident vor allem als Ermutigung. "Fürchtet euch nicht!: Das möchte ich in diesem Jahr allen zurufen, die sich durch die Entwicklung in der Welt beunruhigt fühlen, die besorgt sind, dass wir auf etliche Fragen noch keine Antworten kennen", sagt Gauck. Ängste ernst zu nehmen, heiße nicht, ihnen zu folgen. "Mit angstgeweiteten Augen" werde man "eher klein und mutlos" und könne Lösungswege nur schwer erkennen.

Auch damit spielte der Bundespräsident auf die Pegida-Demonstranten an, die vor allem aus Angst vor einer angeblichen Islamisierung auf die Straßen gehen. Die Botschaft "Fürchtet euch nicht!" sollten die Deutschen "als Aufforderung verstehen, unseren Werten, unseren Kräften und übrigens auch unserer Demokratie zu vertrauen", sagt Gauck.

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© SZ vom 24.12.2014/fran
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