Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten Gauck reagiert auf Überfremdungsangst

Appelliert für mehr Integrationsbereitschaft: Bundespräsident Joachim Gauck.

(Foto: dpa)

Bundespräsident Joachim Gauck hat oft gemahnt, Ängste vor Überfremdung ernst zu nehmen. Seine Weihnachtsansprache zeigt: Die Sorge um Flüchtlinge hat nun Vorrang.

Von Nico Fried

2014 haben zwei Themen den Bundespräsidenten intensiv beschäftigt. Das eine war die zusätzliche außenpolitische Verantwortung, die sich Joachim Gauck von Deutschland wünscht. Das andere war das Thema Migration und Integration. Bei beiden Themen ist das Staatsoberhaupt von der Wirklichkeit geradezu überrollt worden. Das merkt man auch seiner Weihnachtsansprache an.

In der Außenpolitik, wo Gauck zunächst nur eine Debatte anstoßen wollte, konnte Deutschland in mehreren Konflikten gar nicht umhin, mehr Verantwortung zu übernehmen: in der Ukraine-Krise diplomatisch, im Kampf gegen die Islamisten mit Waffengewalt. Deutschlands neue Rolle in der Welt ergibt sich weniger aus theoretischen Diskussionen, denn aus praktischen Notwendigkeiten.

Beim Thema Integration war Gauck stets um Differenzierung bemüht. Den Appell zu mehr Integrationsbereitschaft richtete er immer an Deutsche und Migranten. Gauck hat oft das getan, was viele nun erst fordern: Ängste ernst zu nehmen, manchmal vielleicht sogar zu ernst.

Spätestens mit den Protesten der Pegida aber hat sich die Situation geändert: Die Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen zu stärken hat nun Priorität, die Sorgen vor einer Islamisierung müssen warten. Gauck hat darauf in seiner Ansprache reagiert - mit stark biblischem Akzent und viel pastoralem Optimismus, aber doch ausreichend unmissverständlich.