Wehrbeauftragter Königshaus:Die Strategie des Biedermanns

Königshaus nimmt Guttenberg an dieser Stelle in Schutz. Er spricht von einem Akt der Fürsorge gegenüber dem Kapitän - der das wohl deutlich anders sehen dürfte.

Da endet aber auch schon die Solidarität mit dem Minister. Königshaus scheint keine Rücksicht auf Guttenberg nehmen zu wollen, wenn es um relevante Fakten und Berichte geht, die ihm vorliegen.

"Nach meinem Amtsverständnis ist der Schutz der Verfassung und der Schutz der Grundrechte der Soldaten Aufgabe des Wehrbeauftragen", sagt er ohne eine Miene zu verziehen. Er würde seinem Amtsverständnis nicht gerecht werden, "wenn Fragen der politischen Opportunität Vorrang hätten vor dem Schutz der Soldaten". Womit die Fronten zwischen Guttenberg und Königshaus wohl geklärt wären.

Genau dieses Amtsverständnis könnte Guttenberg noch gefährlich werden. Anders als die meisten seiner Vorgänger scheint Königshaus nicht gewillt zu sein, lediglich Informationen zu sammeln und sie einmal im Jahr mit seinem Bericht der Öffentlichkeit zu präsentieren. Er scheint Missstände dann aufdecken zu wollen, wenn sie ihm offensichtlich werden.

Er hat Erfolg damit. Vor einem Jahr bemängelte Königshaus öffentlich die Sicherheitslage auf einem Flugplatz der Bundeswehr in Nordafghanistan. Inzwischen stehen Panzerhaubitzen, Kampfhubschrauber und Abwehrraketen in ausreichendem Umfang bereit.

Auch jetzt kommt erst Bewegung in die Aufklärung der drei Vorfälle, seit Königshaus sich ihrer angenommen hat. Der Strahlemann und Sonnyboy Guttenberg läuft Gefahr, von einem biederen Juristen mit einschlägiger Erfahrung auf dem Gebiet der Abfallwirtschaft vor sich hergetrieben zu werden.

Wie leicht ihm Guttenberg es macht, zeigt der Feldpost-Fall. Die Bundeswehr erweckt den Eindruck, auf ihren Transportwegen nach Deutschland könne nichts passiert sein. Die Öffnung der Briefe müsse in Deutschland passiert sein. Möglicherweise habe eine Sortiermaschine der Post nicht korrekt funktioniert.

Königshaus widerspricht nicht. Wie sollte er auch. Sein Amt ist keine Ermittlungsbehörde. Aber seine Zweifel bringt er doch an. "Ich weiß nicht, ob die Sortiermaschine etwas gegen die Soldaten der OP North hatte", bemerkt er. Kein spektakulärer Satz, aber einer mit Tiefenwirkung. Stellt er doch die gesamte Argumentationskette des Verteidigungsministeriums und damit Guttenbergs in Frage.

Wenn das so weitergeht, wird sich Guttenberg auf einen unangenehmen Frühling einstellen müssen.

© sueddeutsche.de/woja
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