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Ungelöster Zypernkonflikt:Erdogan droht mit Aussetzen der Beziehungen zur EU

Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat eine sechsmonatige Pause im Dialog mit der EU angekündigt - während der Ratspräsidentschaft der Republik Zypern 2012 will er die Beziehungen aussetzen. Einzige Hoffnung: Ein Fischessen.

"Sechs Monate lang wird es keine Beziehungen zwischen der Türkei und der EU geben": Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will die Beziehungen zur EU während der Ratspräsidentschaft der Republik Zypern im kommenden Jahr unterbrechen. Das sagte er der Zeitung Milliyet.

"Die Beziehungen zur EU werden eingefroren": Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

(Foto: AFP)

Die Republik Zypern, die sich mit Griechenland verbunden fühlt, übernimmt in der zweiten Hälfte 2012 die EU-Ratspräsidentschaft. Mit den Vertretern der Inselrepublik werde die Türkei während der Ratspräsidentschaft "auf keinen Fall reden", sagte Erdogan. "Die Beziehungen zur EU werden eingefroren."

Der griechischsprachige Teil Zyperns ist seit 2004 Mitglied der EU. Damals hatte die Bevölkerung der Republik Zypern einen UN-Plan zur Wiedervereinigung der Insel abgelehnt. Die Türkei weigert sich deshalb weitere Zugeständnisse bei den Bemühungen der Zypernfrage zu machen, obwohl der Konflikt die EU-Bewerbung Ankaras stark belastet.

Erdogan machte deutlich, dass die türkische Seite heute weniger denn je für Kompromisse bereit ist. In dem UN-Plan von 2004 sei die Rückgabe der derzeit zum türkischen Inselteil zählenden Stadt Güzelyurt (Morphou) an die Griechen vorgesehen gewesen, sagte er etwa. Heute komme dies für ihn nicht mehr in Frage. Die Türkei sei zudem im Rahmen des UN-Plans zu einem Truppenrückzug aus der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern bereit gewesen. Das sei heute ebenfalls ausgeschlossen.

Alles müsse neu verhandelt werden, betonte Erdogan. In dem Interview wurde er auf einen Vorschlag des griechisch-zyprischen Präsidenten Dimitris Christofias angesprochen, der gesagt hatte, er wolle sich mit Erdogan am Istanbuler Bosporus in einem Fischlokal treffen und das Zypern-Problem an einem Abend lösen.

Erdogan sagte dazu, er lade nicht nur Christofias, sondern auch den griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou sowie den türkisch-zyprischen Volksgruppenführer und Präsidenten Nordzyperns, Dervis Eroglu, zu dem Essen ein. "Lasst uns zu viert Fisch essen", sagte er.

Zypern ist seit einem von der damaligen griechischen Militärjunta unterstützten Putsch der Zyprischen Nationalgarde gegen Präsident Erzbischof Makarios III. und einer anschließenden türkischen Militärintervention im Sommer 1974 geteilt. Erdogan wollte am Dienstag anlässlich des Jahrestags der Intervention den türkischen Inselteil besuchen.

© AFP/afis/mcs
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