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Wegen ausstehender Zahlungen:Ehemalige Rebellen greifen libyschen Regierungssitz an

Frühere Aufständische haben den Sitz der libyschen Übergangsregierung angegriffen. Die etwa 200 Bewaffneten fordern Zahlungen, die ihnen von der Regierung zunächst zur Unterstützung zugesagt, dann aber im April eingestellt wurden. Bei den Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften wurde ein Mensch getötet, vier Menschen wurden verletzt.

Aus Wut über ausstehende Zahlungen haben ehemalige Aufständische den Sitz der libyschen Übergangsregierung angegriffen. Etwa 200 Bewaffnete umzingelten das Gebäude in der Hauptstadt Tripolis und gaben Schüsse ab, wie die Regierung mitteilte. Bei Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften wurden demnach ein Mensch getötet und vier Menschen verletzt.

Die Ex-Rebellen seien mit 50 Fahrzeugen und zahlreichen Waffen verschiedener Kaliber angerückt, sagte ein Regierungssprecher. Die Sicherheitskräfte mussten eingreifen, um die Angreifer zurückzuschlagen. Dabei sei ein Mitarbeiter des Innenministeriums getötet worden. Zudem habe es drei Verletzte auf Seiten der libyschen Sicherheitskräfte gegeben und einen weiteren bei den Angreifern.

Grund für den Angriff ist nach Angaben der Regierung die Forderung der ehemaligen Rebellen nach Bonuszahlungen. Das Bonus-System war eingerichtet worden, um ehemalige Kämpfer gegen die Armee des gestürzten Machthabers Muammar al-Gaddafi zu unterstützen. Das Geld soll die Aufständischen dazu bringen, ihre Waffen abzugeben. Wegen weitverbreiteten Betrugs hatte die Übergangsregierung die Zahlungen im April aber vorerst gestoppt. Bei Milizionären, die bislang leer ausgehen, stößt dies auf heftigen Protest.

"Das Innenministerium hat die Angreifer festgenommen und die Lage ist unter Kontrolle", sagte Ministerpräsident Abdel Rahim al-Kib. Seine Regierung werde sich keiner "Erpressung" beugen. Tripolis werde "nicht unter der Bedrohung durch Waffen verhandeln".

Am 19. Juni sollen die Libyer zum ersten Mal demokratisch wählen. Die 200 Mitglieder der neuen Allgemeinen Nationalkonferenz sollen dann eine neue Regierung benennen und ein Verfassungskomitee bilden.

© Süddeutsche.de/afp/dapd/dpa/feko/leja
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