Webseite zur Präsidentenwahl in Russland:Putins Patzer im Netz

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Mit so viel Bürgerbeteiligung hat Wladimir Putin wohl nicht gerechnet: Seine Kandidatenseite für die Präsidentschaftswahl nutzen viele seiner Gegner, um ihre Kritik loszuwerden. Zensurversuche wissen Hacker geschickt zu umgehen - und dank des Internets gibt es nun auch Hinweise, dass Putin seine Rückkehr als Präsident früher geplant hat als bisher bekannt.

Jessica Schober

Am Donnerstag hatte der russische Ministerpräsident Wladimir Putin seine offizielle Internetseite zum bevorstehenden Wahlkampf um das Präsidentenamt gestartet - nun sieht er sich mit scharfer Kritik aus der Opposition und dem Internet konfrontiert.

Putins Beliebtheit sinkt nach Protesten weiter

Wladimir Putin wird auf seiner Website für die Präsidentenwahl mit heftiger Kritik konfrontiert.

(Foto: dpa)

Kurz nachdem die Seite www.putin2012.ru ins Netz gestellt worden war, tauchten Rücktrittsforderungen und kritische Äußerungen im Kommentarfenster auf. "Verlassen Sie bitte die Politik", war einer der ersten Kommentare des Nutzers Andrej Antonenko. Putin müsse seinen Rücktritt anbieten, forderte Swetlana Sorokina, sonst drohe eine Revolution. Die kritischen Kommentare wurden vorübergehend entfernt; innerhalb weniger Stunden wurde die Seite dann stattdessen mit Lobeshymnen für Putin geflutet. "Ich glaube an Sie, Sie sind der Beste der Welt", schrieb etwa Ekaterina Swerewa.

Auf seiner Kandidatenseite stellt Putin sein politisches Programm vor, das er bereits auf dem Parteitag seiner Regierungspartei Einiges Russland präsentiert hatte. Ein detailliertes Wahlprogramm will Putin erst am 12. Februar, also knapp drei Wochen vor der Präsidentenwahl, verkünden. Auf seiner Website verspricht er ein starkes Russland mit Weltmachtambitionen, verurteilt aber die "übertriebenen Repressionen" der Sicherheitskräfte gegen das Volk. Der Oppositionspolitiker Sergej Mitrochin, Vorsitzender der liberalen Partei Jabloko, zeigte sich skeptisch gegenüber den vagen Andeutungen des Ministerpräsidenten bezüglich einer weiteren Demokratisierung des Landes: "Ich glaube das alles nicht, weil Putin gewöhnt daran ist, mit harter Hand zu regieren."

Auch im Internet muss Putin immer mehr Spott und Häme einstecken. Denn die kritischen Kommentare auf seiner Seite ließen sich auch nach dem Löschen noch auffinden. Hacker hatten einen Programmierfehler entdeckt, bald kursierten Screenshots, welche die Löschung von Kommentaren belegen sollen. Unterdessen dementierte Putin-Sprecher Dmitrij Peskow die Zensierung der Kandidatenseite. "Niemand hat irgendetwas gelöscht", sagte er. Im Gegenteil: Hacker hätten versucht, die Seite anzugreifen und sie so lahmgelegt.

Spitzfindige Untertöne waren auf der Webseite indes immer noch zu finden: "Ganz Russland wartet auf Sie bei den Debatten", kommentierte zum Beispiel Grigorij Archipow. Er spielte damit auf Putins Absage eines TV-Duells an. Ein Sprecher hatte erklärt, dass das Amt des Ministerpräsidenten es Putin nicht erlaube, an Fernsehdebatten teilzunehmen. Anders als Noch-Präsident Dmitrij Medwedjew, der sich gern als "Präsident 2.0" im Internet profiliert und regelmäßig twittert, hatte Putin sich aus dem Netz bislang eher zurückgehalten. Noch 2010 hatte er behauptet, im Internet finde sich "zu 50 Prozent Pornografie". Auf seiner Kandidatenseite zeigt er sich nun ganz privat: im Judo-Anzug, im Eishockey-Outfit und auf einem Pferd.

Im russischen Netz wird jetzt auch über den Zeitpunkt diskutiert, an dem Putin mit seine Planungen für die erneute Präsidentschaftskandidatur begonnen hat. Der Domainname "putin2012.ru" wurde nämlich bereits im Jahr 2009 registriert - also gut ein Jahr, bevor Putin, der schon von 2000 bis 2008 Präsident Russlands gewesen war, den Ämtertausch mit Präsident Medwedjew verkündet hatte.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Milliardär und Putin-Herausforderer Michail Prochorow die für eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl benötigten zwei Millionen Unterschriften beisammen hat. Beobachter vermuten, dass Prochorow als Putin-freundlicher Kandidat ins Rennen geschickt wird, um die Opposition kleinzuhalten.

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