Feuerwehr:"Waldbrände werden am Boden gelöscht"

Feuerwehr: Ein Feuerwehrmann kämpft nördlich von Athen gegen die Flammen. Nun schickt auch Deutschland Feuerwehrleute nach Griechenland.

Ein Feuerwehrmann kämpft nördlich von Athen gegen die Flammen. Nun schickt auch Deutschland Feuerwehrleute nach Griechenland.

(Foto: AP)

Zur Bekämpfung der verheerenden Waldbrände am Mittelmeer kommt jetzt auch Hilfe aus Deutschland. Ein Gespräch mit der Hilfsorganisation @fire, die auch Feuerwehrkräfte dorthin schickt.

Interview von Lars Langenau

Jan Südmersen, 52, ist Mitbegründer und Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins @fire, Internationaler Katastrophenschutz e.V. in Wallenhorst, Niedersachsen. Dem Verein gehören Profi-Retter an, die über ihren Job hinaus ehrenamtlich weltweit Nothilfe leisten. Hauptberuflich ist Südmersen Brandamtsrat bei der Berufsfeuerwehr Osnabrück.

SZ: Herr Südmersen, es gibt gerade viele verzweifelte Anfragen von türkeistämmigen Mitbürgern bei Ihnen, ob @fire nicht die Feuerwehren im Mittelmeergebiet unterstützen kann. Wieso ist das so schwer?

Jan Südmersen: Der türkische Staat sieht externe Hilfe von privater Seite nicht so gern, da es nach deren Sicht eine staatliche Herausforderung ist. Und die Mittelmeeranrainer in der EU bekommen Hilfe von der Europäischen Union. Dort gibt es einen Zivilschutzmechanismus, der diesen Ländern operative Hilfe zukommen lässt. So ist das auch diesmal gelaufen: Die EU hatte ein entsprechendes Hilfeersuchen aus Athen auch an Deutschland gerichtet. Von Samstag auf Sonntag dann wurden die Teams ausgerüstet und sind inzwischen gestartet. Die 56 Einsatzkräfte aus Bonn, Königswinter und Leverkusen und vier Fachberater von @fire werden mit ihren 19 Fahrzeugen am Donnerstag in Griechenland erwartet und sollen mindestens eine Woche im Einsatz bleiben. Unsere Leute werden dort als Sicherheitsleute eingesetzt und beraten taktisch bei der Brandbekämpfung.

Welche Hilfe kann denn geleistet werden?

Die schnellste und mobilste Hilfe kommt via Hubschraubern und Flugzeugen. Allerdings ist das oft nicht die effektivste Hilfe. Denn mit Löschen aus der Luft erschlägt man das Feuer in der Regel nicht vollständig. Waldbrände werden final immer am Boden gelöscht. Was das Löschen aus der Luft betrifft, das müssen Sie sich wie ein nasses Tuch oder einen Teppich vorstellen, mit dem man auf das Feuer einschlägt. Danach aber müssen Löschmannschaften sofort auf dem Boden die Feuer und Glutnester endgültig beseitigen. @fire kann hier schnelle, luftmobile Spezialeinheiten stellen, die besonders für diese Art der Brandbekämpfung ausgebildet sind und somit Einheiten aus Fahrzeugen zeitlich und taktisch sehr gut ergänzen, die eine längere Anfahrt haben.

Mit wie vielen Leuten könnten Sie denn überhaupt helfen?

Uns gibt es seit 2002. Auch damals haben Waldbrände vor allem in Griechenland gewütet und wir wollten als engagierte Feuerwehrleute helfen. Damals gab es so was noch nicht auf EU-Ebene, und unsere Löschfahrzeuge konnten noch nicht die Grenzen der Bundesrepublik überschreiten. Heute hat @fire etwa 300 Mitglieder. Einsatzfähig sind wir erst seit ein, zwei Jahren. Heute können wir innerhalb kürzester Zeit 30 bis 50 Mann für die mobile Nothilfe aktivieren. Diese Personen steigen in einen Linienflieger und helfen dann vor Ort, ohne schweres Gerät, mit Hacke und Axt. In den USA und Südeuropa sind solche effektiven Einsätze durch das Schlagen von Schneisen und Wundstreifen üblich, hier bei den örtlichen Feuerwehren ist das aber noch nicht so verbreitet.

Sie haben also gar keine eigenen Löschhubschrauber oder gar ein Löschflugzeug?

Das haben wir nicht. Wir kooperieren mit Hubschrauberbetreibern in dem sogenannten "Team Phoenix" und stellen die Bodentruppen.

Warum gibt es kein einziges deutsches Löschflugzeug?

Zum einen gibt es hier nicht so viele Waldbrände wie etwa in Südfrankreich oder Griechenland. Zum anderen kann ein Löschflugzeug eben nur Waldbrände bekämpfen und sonst nichts. Flugzeug und Pilot sind dementsprechend eingeschränkt und die Maschine ist höchstens ein paar Wochen im Jahr im Einsatz. Allerdings bedauere ich sehr, dass die Feuerwehren in Deutschland keinen einzigen Hubschrauber haben, der nur zur Waldbrandbekämpfung vorgehalten wird. Wir müssen uns bei der Bundeswehr, der Bundespolizei oder einer Landespolizei eine Maschine leihen. Allerdings ist das nicht deren Kernaufgabe. Bevor wir also über Löschflugzeuge reden, sollten wir uns über eigene Mehrzweckhubschrauber zur Brandbekämpfung und Rettung aus der Luft unterhalten.

Was ist denn die häufigste Ursache solcher Brände?

Absolut überwiegend geht das auf menschliche Einwirkung zurück: Entweder durch vorsätzliche Brandlegung oder Fahrlässigkeit wie das Wegwerfen von brennenden Zigaretten oder durch nicht vollständig gelöschte Lagerfeuer.

Sie waren kürzlich auch im Hochwassergebiet tätig. Was hat Ihr Verein da gemacht?

Wir waren da kurzfristig mit kleinen Geländefahrzeugen als so eine Art Augen und Ohren für die Einsatzleitung vor Ort. Eigentlich machen wir so etwas nur in Erdbebengebieten ohne Infrastruktur, aber dort sah es nicht viel anders aus.

© SZ/SZ/lala/sosa/afis
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