Wahlumfragen Grüne im "Deutschlandtrend" erstmals vor der Union

Die Grünen um ihre Bundesvorsitzende Annalena Baerbock (Mi.) liegen im "Deutschlandtrend" erstmals vor der Union.

(Foto: dpa)
  • Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würden die Grünen dem "Deutschlandtrend" zufolge mit 26 Prozent erstmals stärkste Kraft vor der Union (25 Prozent) werden.
  • Im "Politbarometer" liegen sie mit 26 Prozent noch knapp hinter der Union mit 27 Prozent.
  • Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ist eine Mehrheit der Deutschen für Neuwahlen.

Die Grünen setzen ihren Höhenflug in den Umfragen fort und liegen bei der Sonntagsfrage im ARD-"Deutschlandtrend" nun knapp vor der Union auf Platz eins. Im Vergleich zum Vormonat gewinnt die Partei sechs Prozentpunkte hinzu und erreicht 26 Prozent. Die Union verliert der am Donnerstag veröffentlichten Infratest-Dimap-Umfrage zufolge drei Prozentpunkte und würde mit 25 Prozent auf dem zweiten Platz landen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Auch in der jüngsten Forsa-Umfrage hatten sie die CDU/CSU vor wenigen Tagen bereits überholt. Im ZDF-"Politbarometer" der Forschungsgruppe Wahlen liegen sie mit 26 Prozent noch knapp hinter der Union mit 27 Prozent.

Die SPD sackt nach ihrer Europawahl-Pleite und dem Rücktritt von Parteichefin Andrea Nahles weiter ab. Ihr Wert sinkt im "Deutschlandtrend" um sechs Punkte auf den Tiefstwert von zwölf Prozent. Damit liegt sie sogar hinter der AfD, die um einen Prozentpunkt auf 13 Prozent klettert. Die FDP liegt unverändert bei acht Prozent, die Linke verliert zwei Punkte und kommt auf sieben Prozent. Im ZDF-Politbarometer sackte die SPD ebenfalls auf ein Rekordtief von 13 Prozent. Auf den gleichen Wert kommt die AfD. Linke und FDP erreichen je sieben Prozent.

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Die Grünen sind derzeit die einzige Partei mit Potenzial, sie haben die SPD als politische Kraft links von der CDU verdrängt. Ein eigener Kanzlerkandidat wäre die logische Konsequenz.

Die Grünen hatten bei der Europawahl mit 20,5 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl eingefahren. SPD und Union mussten dagegen ihre bisher schlechtesten Ergebnisse hinnehmen. Am vergangenen Sonntag kündigte SPD-Partei- und -Fraktionschefin Andrea Nahles ihren Rücktritt an und brachte damit auch das schwarz-rote Bündnis ins Wanken. Die Wahlperiode läuft eigentlich noch bis 2021.

Drei Viertel sind mit der Arbeit der Regierung weniger oder gar nicht zufrieden

Mit der Arbeit der Bundesregierung sind laut "Deutschlandtrend" inzwischen fast drei Viertel der Befragten (72 Prozent) weniger oder gar nicht zufrieden. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als im Vormonat. Zufrieden oder sehr zufrieden äußerten sich nur 28 Prozent. Angesichts der aktuellen Koalitionskrise ist nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov eine Mehrheit von 52 Prozent für ein Neuwahl des Bundestags, nur 27 Prozent plädieren für eine Fortsetzung des Bündnisses von Union und SPD.

Die sogenannte große Koalition ist der Umfrage zufolge von allen möglichen Bündnis-Optionen inzwischen diejenige, die am wenigsten gewollt wird. Nur neun Prozent der Befragten würden sich für diese Option entscheiden, wenn sie es sich aussuchen könnten. Die beliebteste Koalition ist dagegen eine aus Grünen, SPD und Linke mit 25 Prozent Zustimmung - vor "Jamaika" (Union, Grüne und FDP) mit 15 Prozent und Schwarz-Grün (Union und Grüne) mit 14 Prozent. Von den Wählern der Grünen wünschen sich sogar 54 Prozent ein Bündnis mit SPD und Linkspartei und nur 25 Prozent Schwarz-Grün.

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