Süddeutsche Zeitung

Wahlsieg der Tories in Großbritannien:"Wir werden das Land großartiger machen"

  • Bei der Wahl in Großbritannien haben die Konservativen die für eine Alleinregierung nötige Mehrheit erreicht. Sie kommen im Unterhaus auf 331 Sitze.
  • Den größten Erfolg erzielen jedoch die schottischen Nationalisten. Die SNP gewinnt in Schottland 56 von 59 Wahlkreisen.
  • Die Liberaldemokraten verlieren dagegen zahlreiche Mandate.
  • Wahlforscher rätseln, warum die früheren Prognosen so stark daneben lagen.

Tories gewinnen absolute Mehrheit in Großbritannien

Premierminister David Cameron hat bei der britischen Parlamentswahl mit seiner Konservativen Partei die absolute Mehrheit geholt. Die Tories brachten es nach Auszählung aller Wahlkreise auf 331 der 650 Mandate im Unterhaus (plus 24 im Vergleich zu 2010). "Dies ist der süßeste Sieg von allen", rief Cameron am Vormittag den Mitgliedern seines Wahlkampfteams zu.

"Wir werden als Partei einer Nation regieren", sagte Cameron zu Journalisten vor seiner Residenz in 10 Downing Street in London. "Wir werden das Land großartiger machen." Außerdem sprach er seinem Kontrahenten Ed Miliband von der Labour-Partei und seinem bisherigen Junior-Partner in der Regierungskoalition, dem Liberaldemokraten Nick Clegg, seinen Respekt aus. Beide Parteichefs waren am Freitag nach desaströsen Wahlergebnissen für ihre Parteien zurückgetreten. Auch Nigel Farage, Chef der United Kingdom Independence Party (Ukip), legte das Amt nieder.

Den britischen Regionalparlamenten in Schottland, Wales und Nordirland sicherte Cameron mehr Einflussmöglichkeiten zu und versprach erneut ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union. Zuvor hatte Cameron Queen Elizabeth II. im Buckingham Palace um den Auftrag zur Regierungsbildung gebeten.

Konservativer Sieg in Großbritannien

Auf die oppositionelle Labour-Partei unter Führung ihres Chefs Ed Miliband entfallen bisher 232 Sitze. Drittstärkste Kraft wären die schottischen Nationalisten (SNP), die 56 Abgeordnete entsenden könnten. Die bisher mitregierenden Liberaldemokraten von Nick Clegg verloren einen Großteil ihrer bisher 56 Sitze und entsenden voraussichtlich nur noch acht Parlamentarier. Die Grünen kämen auf ein und die eurokritische Ukip auf ebenfalls ein Mandat.

In Nordirland kommt die DUP (Democratic Unionist Party) aktuell auf acht Sitze, die proirisch-linke SDLP (Social Democratic and Labour Party) auf drei und die zweite protestantisch-unionistische Partei UUP (Ulster Unionist Party) auf zwei Mandate. Die vier errungenen Sitze der nordirischen Sinn-Féin-Partei bleiben jedoch traditionell unbesetzt. Aus Wales schickt die Partei Plaid Cymru wohl drei Abgeordnete nach Westminster.

Schottland klar in SNP-Hand

In Schottland ist eine Zeitenwende zu erkennen: Die SNP von Nicola Sturgeon kann 56 der insgesamt 59 schottischen Wahlkreise für sich gewinnen - viele davon lagen bislang klar in Labour-Hand. Das starke Abschneiden der SNP macht einen baldigen neuen Anlauf für ein Unabhängigkeitsreferendum wahrscheinlich. Die Schotten hatten erst im September gegen die Unabhängigkeit ihres Landesteils gestimmt. Der damalige SNP-Vorsitzende Alex Salmond, der sich für die Abspaltung von Großbritannien stark gemacht hatte, trat daraufhin zurück. Bei der Wahl am Donnerstag wurde er aber erneut ins Unterhaus gewählt. "Der schottische Löwe hat gebrüllt", sagte Salmond. "Ein heftiger Wind bläst heute Morgen durch das große Tal von Schottland." Der Umschwung bei der Wahl in Schottland sei beispiellos in der Politikgeschichte, sagte Salmond.

20-Jährige demütigt Labour-Veteranen

Die 20-Jährige Studentin Mhairi Black hat Labour wohl die größte Schmach zugefügt. Die Schottin gewann das Mandat für Paisley und Renfrewshire South und damit den Sitz von Douglas Alexander. Der war nicht nur Schatten-Außenminister, sondern auch einer der verantwortlichen Wahlkampf-Manager seiner Partei. Sie könnte damit die jüngste Abgeordnete im Unterhaus seit 1667 sein - zumindest aber seit 1768, wie vereinzelt auch vermeldet wird.

SZ Espresso Newsletter

Auch per Mail bestens informiert: Diese und weitere relevante Nachrichten finden Sie - von SZ-Autoren kompakt zusammengefasst - morgens und abends im SZ Espresso-Newsletter. Hier bestellen.

Wahlforscher rätseln über Fehler in den Prognosen

Das Ergebnis, das sich für die Wahl abzeichnet, kommt völlig überraschend. Nun rätseln die Experten, warum die früheren Prognosen so stark danebenlagen. Eine Erklärung: Viele konservative Wähler scheuten sich, sich in Umfragen zu den Tories zu bekennen, die wegen ihrer harten Sparpolitik umstritten sind. Professor Tony Travers von der London School of Economics sagt, entweder handele es sich um einen späten Umschwung in der Wählermeinung, oder die konservative Wählerschaft habe auf die Frage nach ihrer Wahlabsicht "schüchtern" geantwortet.

Bereits 1992 war der überraschende Wahlsieg der Konservativen unter John Major auf die "Schüchternheit" der Tory-Wähler in den Umfragen zurückgeführt worden. Damals war ein Wahlsieg für Labour vorausgesagt worden. Bei dieser Wahl waren sich die Umfrageinstitute seit Monaten einig, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Tories und Labour geben werde. Davon ist beim aktuellen Stand nichts mehr zu sehen.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.2470492
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
Süddeutsche.de/dpa/Reuters/AFP/mane/joku
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.