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Wahlrecht:Die Vernunft der Kinder

Es wäre gerecht, das Wahlalter auf 16 zu senken.

Von Markus C. Schulte von Drach

Die Pubertät ist eine zum Glück vorübergehende Zeit des Wahnsinns. Gerade noch verständige Kinder sind plötzlich impulsiv, irrational, risikobereit. Fachleuten zufolge liegt das an einer Reorganisation des Gehirns, es dauert, bis der Nachwuchs wieder zur Vernunft kommt. Und da schlagen Politiker wie Familienministerin Franziska Giffey (SPD) oder der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck vor, 16-Jährige wählen zu lassen?

Rationalität kennzeichnet auch das Verhalten der Erwachsenen nicht immer, besonders wenn es darum geht, Klima und Umwelt zu schützen. So bringen Eltern dem Nachwuchs zwar gemeinhin bei, keinen Dreck im Sandkasten zu hinterlassen. Mit dem globalen Lebensraum der Kinder halten sie es selbst anders. Wieso sollten nur die das Wahlrecht haben, die es zu ihrem kurzfristigen Vorteil nutzen - jene aber nicht, die mit den Konsequenzen zukünftig leben müssen?

Kinder haben keine andere Möglichkeit, als für den Klimaschutz zu demonstrieren. Ab 16 sollten sie daher wählen können, auch im Bund. Dürften sie das, müssten ihre Sorgen, ihre Wut ernster genommen werden. Ihre Zahl ist im Vergleich zu den Senioren gering, aber sie könnten jenes Prozent an Stimmen liefern, das Regierungen dazu bringt, den Kampf gegen die Klimakrise ernsthaft aufzunehmen.

© SZ vom 31.07.2020
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