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Wahlkampf in Hamburg:Sie wollen das Volk

Wahlplakat 'Die Partei'

"Puff ab 16!": Plakat der Satire-Partei "Die Partei" in Hamburg.

(Foto: dpa)

Die Grünen machen jetzt Döner. Katja Suding spielt Engelchen. Die AfD kämpft gegen Plakatzerstörer und wirbt um sich selbst. Und Angela Merkel findet Olaf Scholz eigentlich ganz okay. Szenen aus dem Hamburger Wahlkampf.

Die Grünen machen jetzt Döner

Eine grüne Spitzenkandidatin inmitten von Fleischbergen: Katharina Fegebank ließ sich im Wahlkampf von der Hamburger Morgenpost in die Dönerfabrik schicken. Dort musste sie Hackfleisch und Schichtfleisch zu einem Dönerspieß stapeln. Dahinter steckt eine Aktion der Mopo, in der die Leser Fegebank für ihren Betrieb mieten konnten. Das mit der Dönerfabrik fand die Zeitung besonders lustig. Denn da war doch mal diese Sache mit dem Veggie Day... Schon erstaunlich, wie lange einem ein missglückter Wahlkampf hinterher hängen kann. In Hamburg tun Katharina Fegebank und ihre Leute jedenfalls alles, um das Image der verknöcherten Öko-Spießer loszuwerden: Kneipentouren, Skatabende, Blumensamen auf dem Markt verteilen, Glühwein ausschenken, Eislaufen. Und: Nicht mal Vegetarierin ist sie, diese Fegebank. Sowas aber auch.

Die AfD macht Wahlkampf mit sich selbst ...

Endlich mal eine Partei, die den Menschen zuhört, ihre Sorgen ernst nimmt! So inszeniert sich die AfD im Hamburger Wahlkampf gern. Blöd nur, wenn da gar niemand ist, der ihrem Spitzenkandidaten Jörn Kruse seine Sorgen erzählen möchte. So passiert während eines Wahlkampf-Drehs mit dem NDR. Schließlich läuft dem Kamerateam doch ein interessierter Bürger vor die Linse, der mit Kruse ein Gespräch beginnt. Nur, dass der interessierte Bürger gar kein interessierter Bürger ist, sondern AfD-Mitglied. Das gab eine Menge Spott und Häme, klar.

Die AfD widerspricht allerdings der Darstellung des NDR, sie habe sich aus purer Not einen interessierten Bürger herbeigeschummelt. Vielmehr habe zeitgleich zum Dreh des NDR der Dreh eines eigenen Wahlwerbespots stattgefunden, den die Partei nicht mit Schauspielern, sondern mit ihren Mitgliedern drehte. Der NDR bleibt bei seiner Geschichte.

... und trifft auf Widerstand, der nicht immer lustig ist

Weniger lustig ist allerdings, dass die AfD noch mit ganz anderen Gegnern zu kämpfen hat als mit Journalisten. Immer wieder stören Aktivisten den Wahlkampf der Partei, Dutzende Polizisten bewachen für gewöhnlich die Veranstaltungen der AfD. In einigen Stadtteilen würden ihre Plakate regelmäßig innerhalb kürzester Zeit zerstört, meldet die AfD. Und auf die Häuser einiger Kandidaten flogen Farbbeutel. Wir plädieren da eindeutig für Satire statt Randale.

Vor allem, wenn sie alle Parteien gleichermaßen trifft ( Satirische Wahlkplakate finden Sie hier).

Die AfD hat allerdings wenigstens kreative Ideen, die Plakatzerstörung zu verhindern. Man könnte doch Arbeitslose als wandelnde Plakatwände einstellen, schlug ein Mitglied der "Jungen Alternative" vor. Vielleicht ist es ganz gut, dass der Wahlkampf bald vorbei ist.

Katja Suding spielt Engelchen

Suding als ´Engel für Lindner"

Lencke Steiner, Katja Suding und die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer als "Drei Engel für Lindner".

(Foto: dpa)

Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit: Katja Suding, Spitzenkandidatin der FDP, tut alles, damit die FDP im Hamburger Wahlkampf nicht unbemerkt bleibt. Zuletzt posierte sie gemeinsam mit der Bremer Spitzenkandidatin Lencke Steiner und FDP-Generalsekretärin Nicola Beer als "Drei Engel für Lindner" im Klatschmagazin Gala. Aus feministischer Sicht tut das ja ein wenig weh. Vor allem, weil Suding eigentlich gar nicht der gefällig-sexy Typ ist, sondern eher hanseatisch-kühl.

Doch eines hat Suding erkannt. Mit Inhalten allein kommt die FDP zur Zeit nicht ran an die Presse. Dabei ist die Hamburger Spitzenkandidatin inhaltlich zumindest konsequent, nämlich klassisch wirtschaftsliberal. Ihre FDP würde damit gar nicht so schlecht zur wirtschaftsnahen Hamburger SPD passen. Ein Typ wie Olaf Scholz ist allerdings für schrille Aktionen à la "Drei Engel für Lindner" nicht zu begeistern - und erteilte der FDP vor der Wahl eine Absage. Trotzdem scheint die Provokationstaktik Sudings aufzugehen. In Umfragen liegt die FDP inzwischen konstant über fünf Prozent - oder steckt dahinter doch nur die Angst der Hamburger vor einer rot-grünen Koalition?

Olaf Scholz will kein Taktiker sein

Ich, ein Machtpolitiker? Iwo! "Ich spreche keine taktischen Sätze", vertraute Olaf Scholz kurz vor der Wahl dem Hamburger Abendblatt an, als es mal wieder um die leidige Koalitionsfrage ging. Scholz hat sich die vergangenen Wochen auf die Grünen als Wunschpartner festgelegt. Dient das dazu, die zahlreichen Hamburger Grünen-Skeptiker dazu zu bewegen, für die SPD zu stimmen? Ihr abermals die absolute Mehrheit zu schenken um Rot-Grün zu verhindern? Aber nein, was Scholz sagt, ist genau so gemeint, wie er es eben sagt, beteuert Hamburgs Umfragenkönig. Die Grünen seien nunmal sein Wunschpartner, die andere Parteien nicht wirklich sein Fall.

Merkel findet Scholz ganz gut

Der CDU geht es genau andersrum wie der SPD. Während die Union dank Kanzlerin Angela Merkel es sich bundesweit bei Umfragewerten über 40 Prozent bequem gemacht hat, muss CDU-Spitzenkandidat Dietrich Wersich in Hamburg schon um magere 20 Prozent kämpfen. Klar, dass er da auf ein wenig Hilfe von der Kanzlerin hoffte. Die schaffte es erst kaum nach Hamburg. Das Wetter war mies, Züge fuhren nicht, Flugzeuge flogen nicht. Dann kam sie mit dem Dienstwagen. Und sagte schließlich, in Hamburg angekommen, über die Amstzeit von Olaf Scholz den seltsam gewundenen Satz: ""Ich will nicht sagen, dass alles schlecht gelaufen ist, manches ist richtig gut gelaufen, manches könnte besser laufen." Hm, naja. Attacke fühlt sich anders an. Einen zweiten Termin in Hamburg musste Merkel dann absagen, weil sie stattdessen in Minsk um den Frieden in der Ukraine rang. Vielleicht besser so.

Lesetipps:

  • Wie Dora Heyenn, Spitzenkandidatin der Linken, in Hamburgs sozialen Brennpunkten Wahlkampf macht, lesen Sie in dieser Geschichte.
  • Was macht den Erfolg von Olaf Scholz aus? Thomas Hahn schildert die Taktik des Bürgermeisters in diesem Porträt.
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