Wahlkampf in den USA Trump: "Ich bin kein Entertainer, ich gewinne immer"

Auch in Manassas überzeugt Donald Trump seine Anhänger mit Angebereien, Schuldzuweisungen und vielen Ankündigungen.

(Foto: Bloomberg)

Donald Trump zieht weiter Tausende Bewunderer an. Sein Ton bleibt rau - und im Republikaner-Establishment wächst die Panik.

Von Matthias Kolb, Manassas/Virginia

Etwas ist anders, als Donald Trump in Virginia auftritt. Wie immer klatschen alle in der Halle, als der 69-Jährige in Manassas ans Rednerpult tritt. Washington ist nur 40 Minuten entfernt - jene Hauptstadt voller korrupter Politiker und Lobbyisten, die in den Augen vieler Republikaner die USA in den Niedergang führen. Das Publikum in Manassas glaubt, was auf ihren Kappen und Stickern steht: dass Donald Trump Amerika wieder zu alter Größe führen kann.

Doch am gleichen Tag schreibt der Kolumnist Dana Milbank in der Washington Post, was nicht nur in der Hauptstadt viele denken: "Donald Trump ist ein Fanatiker und ein Rassist." Zwischen diesen Polen - ungebrochene Bewunderung und wachsendes Entsetzen - bewegt sich Trumps Kampagne momentan. Und es ist dieser Außenseiter, der seit fünf Monaten nahezu alle Umfragen anführt und die Diskussion über den US-Präsidentschaftswahlkampf bestimmt - obwohl er von Latinos über Muslime, Journalisten und Frauen so viele Gruppen beleidigt hat (mehr in diesem US-Blog).

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Trumps 80 Minuten langer Auftritt beginnt mit einer Schweigeminute für die Opfer der Massenschießerei in San Bernardino. Dies sei einer der Momente, in denen Amerika "stolz" sei auf seine Polizisten: "Ich könnte das nicht, was die leisten." Ein seltener Moment von Bescheidenheit, doch dann folgt Trumps typische Mischung aus Angeberei, Klagen über die Mainstream-Medien und ganz vielen Ankündigungen. Er werde Jobs aus Mexiko zurückholen, die IS-Miliz "zerstören", den Iranern die Lust an der Atombombe nehmen und China in seine Schranken weisen, sagt der Milliardär.

Es folgen Witze über den "Idioten" Barack Obama, der Klimawandel für eine größere Bedrohung hält als den "radikalen Islam". Trump klagt, dass die Obama-Regierung "Einwanderer ohne Papiere" besser behandeln würde als die eigenen Kriegsveteranen. Der Demokrat habe versprochen, die USA "vereinigen" zu wollen, doch er habe das Land gespalten. Trump, der auch mehrere schwarze Pastoren neben sich begrüßt, wirft Obama vor, sich nicht mal um Afroamerikaner zu kümmern: "Die Arbeitslosigkeit unter jungen Schwarzen ist immer enorm hoch."

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"Ich stehe für eine laute Mehrheit", behauptet Trump

Diese Sätze fallen an einem für die Republikaner schwierigen Ort. Die Wähler in Virginia haben nicht nur zweimal für Obama gestimmt, sondern auch ihr Gouverneur und die beiden Senatoren sind Demokraten. Als der Kandidat Obama 2008 nach Manassas kam, wollten ihn knapp 100 000 Menschen sehen.

Zu Trump kommen "nur" einige Tausend und manche sind Verschwörungstheoretiker, die weiterhin überzeugt sind, dass Obama selbst Muslim ist und nicht in den USA geboren wurde. "Er ist aus Kenia", ruft ein Mann, als der Ex-Abgeordnete Virgil Goode ausruft, dass er es satt habe, als weißer Amerikaner nicht mehr beachtet zu werden.

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Tausende besuchen die Veranstaltungen des exzentrischen Milliardärs. Während einige schlicht neugierig sind auf den Entertainer Trump, sehen andere in ihm den Retter des Landes.

Trotz seiner Witze und Attacken gegen Konkurrenten betont Trump, dass er es ernst meint mit seiner Kandidatur: "Ich bin kein Entertainer." Unter großem Jubel fügt er hinzu: "Ich weiß, wie man Dinge erledigt und ich gewinne immer." Er habe sich als Vertreter der "schweigenden Mehrheit" angesehen, ruft Trump: "Das ist aber vorbei. Ich stehe für eine laute Mehrheit."

Es ist zwar fraglich, ob Trump wirklich für eine Mehrheit spricht, doch er ist auch deshalb so populär, weil er als Republikaner höhere Steuern für Reiche fordert, die Sozialversicherung bewahren will und kritisch über das Freihandelsabkommen mit den Pazifik-Staaten spricht. So etwas kommt bei der Kerngruppe seiner Fans - jenen älteren weißen Männern, die sich als Freiwillige engagieren - extrem gut an. "Ich habe nichts gegen free trade, ich bin nur gegen dumb trade." Das ist Trumps ebenso simpler wie wirksamer Trick: Er appelliert an die Wähler, seiner Intelligenz zu vertrauen, dass er besser verhandeln werde als alle anderen.