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Wahlkampf in den USA:Obama und Romney liefern sich Video-Kleinkrieg

Wie attackiert man einen populären US-Präsidenten? Die Republikaner setzten in ihrem neuesten TV-Spot auf Mütter mit Zukunftsangst, die aus Enttäuschung über Barack Obama in die Kamera seufzen. Das Obama-Lager reagiert mit einer Frontalattacke auf Romneys Vergangenheit als Investmentbanker.

Es ist eine typische Vorort-Szene. Im Hof spielen ein Junge und ein Mädchen Basketball, die Mutter öffnet das Fenster und blickt hinaus. Aus dem Off ertönt eine Frauenstimme: "Ich habe es immer geliebt, ihnen beim Basketball zuzusehen. Das tue ich heute noch, obwohl sich viel geändert hat."

Die Mutter fährt sich durchs lange braune Haar, das plötzlich kurz und grau ist. Die Kinder, die nun am Essenstisch sitzen, mussten nach dem College zu Hause einziehen, denn "sie finden keinen Job, um ihre Karriere zu beginnen". Sie könne nun nicht in Rente gehen, heißt es weiter.

In zehn umkämpften swing states wie Ohio, Florida, Virginia oder North Carolina werden die Wähler die sanfte Stimme in den nächsten drei Wochen sehr oft hören, wenn sie den Fernseher anschalten. Zehn Millionen Dollar investiert die Organisation Crossroads GPS von Karl Rove, dem Chefstrategen von George W. Bush, um folgende Botschaft in die Wohnzimmer zu tragen: Unter Barack Obama geht es Amerika schlechter als zuvor. "Ich habe Präsident Obama unterstützt, weil er so schön geredet hat. Er versprach Wandel, doch alles wurde schlimmer", klagt die Frau in dem TV-Spot.

"Wir müssen vorsichtig mit der Enttäuschung umgehen"

Akribisch wurde an dem Video gearbeitet: Die Crossroads-Strategen führten Interviews mit 18 Fokusgruppen in verschiedenen Bundesstaaten und testeten einige Botschaften. Schnell wurde klar: Harte Attacken auf Obama kommen nicht gut an.

"Die Leute wollen nicht dauernd hören, dass sie 2008 einen schrecklichen Fehler gemacht haben. Wir müssen vorsichtig mit dieser Enttäuschung umgehen", sagte Stephen J. Law der der New York Times. Er ist zugleich Präsident von Crossroads GPS und dem Wahlkampffinanzier-Club American Crossroads. Er weiß: Obamas Beliebtheitswerte sind höher als die Zustimmung für seine Arbeit - und der Amtsinhaber ist populärer als Herausforderer Mitt Romney.

In St. Louis erzählten mehrere Mütter ähnlich traurige Geschichten, die im Clip Basketball verdichtet wurden. Er ist zugleich ein Seitenhieb darauf, dass Obama gern medienwirksam ein paar Körbe wirft. Doch auch wenn das neue Video auf den ersten Blick sanfter mit dem demokratischen Gegner umgeht als etwa 2004, als Spots mit der Gruppe "Swift Boat Veterans for Truth" das Kriegsheld-Image von John Kerry zu stören versuchten, verberge sich die "harte Faust in einem Handschuh", heißt es auf der Website factcheck.org.

Viele Punkte entpuppen sich als falsch

Die unabhängige Organisation, die Aussagen von Politikern und Wahlwerbung überprüft, hat in dem Clip zahlreiche Fehler, Zuspitzungen und Verdreher entdeckt. Auch wenn sich immer mehr College-Absolventen schwer tun, einen Job zu finden, lag die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe 2011 bei 10,3 Prozent und im April 2012 bei 8,2 Prozent. Es sei also äußert unwahrscheinlich, dass zwei erwachsene Kinder arbeitslos sind und zu ihrer Mutter zurückkehren müssten.

Auch andere Punkte, mit der die Sprecherin im Video begründet, dass unter Präsident Obama alles schlechter geworden sei, entpuppen sich als falsch: So wachsen weder die Staatsausgaben in Rekordtempo noch die Kosten für Benzin. Auch die Behauptung der Romney-Kampagne, Steuern zu senken und Schulden abzubauen sei der einzige Weg zu mehr Beschäftigung, ist laut factcheck.org irreführend: Seit Februar 2010 entstanden in den USA 3,7 Millionen Jobs. Und als Arbeitgeberin hat die Video-Mama von Bushs Steuersenkungen profitiert, die Obama verlängert hat - was im Clip verschwiegen wird.