Wahlkampf in den USA Amerikas Anti-Wahl

Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney malen täglich in düsteren Farben aus, wie der jeweilige Gegner bei einem Wahlsieg Volk und Vaterland in den Untergang treiben wird. Was sie jedoch verschweigen, ist, wohin sie selbst Amerika führen würden. Und wie sie die tief verunsicherte Weltmacht lenken wollen, die sich seit fünf Jahren durch eine Dauerkrise kämpft.

Ein Kommentar von Christian Wernicke, Washington

Amerika steht in Flammen. Noch 75 sehr lange Tage wird der Wahlkampf lodern, dann kürt das Volk einen neuen Präsidenten. Oder es bleibt beim Alten. Das Land glüht, wieder einmal. Aber es glüht anders als vor vier Jahren. 2008 fieberte die Nation einem Aufbruch entgegen, voll Leidenschaft entschied sie sich für Barack Obama, den Verkünder von "Hoffnung" und "Wandel".

In 75 Tagen wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Bleibt Barack Obama? Oder wird der Republikaner Mitt Romney Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika? Beide verschweigen bisher, wohin sie die verunsicherte Weltmacht führen wollen.

Im Bild: Protest gegen Mitt Romney bei einer Wahlkampfveranstaltung des Republikaners.

(Foto: AFP)

Nun brennt Amerika wieder, aber es brennt für - nichts. Demokraten und Republikaner fackeln mehr Geld denn je ab, beide Kampagnen lärmen seit Monaten. Aber sie produzieren nur Hitze, kein Licht. Statt heller Visionen offerieren beide Lager nur programmatische Finsternis.

Die Propagandaschlacht eskaliert

Amerikas Urnengang verkommt zur "Anti-Wahl". Barack Obama wie sein Herausforderer Mitt Romney malen täglich düster aus, wie der jeweilige Gegner Volk und Vaterland in den Untergang treiben werde. Hingegen verschweigen sie, warum - und vor allem: wohin - sie selbst die zutiefst verunsicherte Weltmacht lenken wollen.

Seit fünf Jahren quält sich die weltweit älteste Demokratie und größte Volkswirtschaft durch eine Dauerkrise. Doch keiner der beiden Gladiatoren entwirft Wegweisungen samt bitter nötigen Reformen für die Zukunft. Obama, so scheint's, will irgendwie weiterwurschteln. Und Romney erweckt den Eindruck, als strebe er zurück in die (für die USA seligen) Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Beide Männer bauen auf dasselbe tumbe Argument: dass der andere Kerl (noch) schlimmer ist als sie selbst.

Also eskaliert die Propaganda-Schlacht. Die Generalstrategen beider Lager verklären die Entscheidung am 6. November 2012 zur "wichtigsten Wahl seit 1860", also jenem Datum, auf das vier Jahre Bürgerkrieg, Verwüstung und hunderttausendfacher Brudermord folgten. Der Vergleich mit dem Civil War ist zwar dummes Zeug, aber auf Hader, Hass und Hetze verstehen sich beide Parteien am besten.

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