Wahlkampf der US-Republikaner Cain vs. Perry, Perry vs. Romney

Cain glaubt zu wissen, wer hinter den Enthüllungen steckt: Die Informationen stammten aus dem Lager seines Kontrahenten Rick Perry, sagte Cain in dem Fox-Interview. Der Gouverneur von Texas hatte in den vergangenen Wochen zur Spitze des Kandidatenfeldes der Republikaner aufgeschlossen, indem er seine Herkunft als country boy kultivierte. Perry gibt gern den geradlinigen, ehrlichen und zupackenden Burschen aus der Provinz, den Gegenentwurf zu den Washingtoner Politprofis. Gerade in dieser Position schmerzen die Vorwürfe, das dreckige Spiel derjenigen zu spielen, von denen er sich eigentlich distanzieren will.

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Vielleicht erklärt das die ungewöhnliche Reaktion Perrys: Anstatt die Vorwürfe schlicht zu dementieren, ließ er über seinen Sprecher streuen, dass nicht er, sondern Mitt Romney, der dritte aussichtsreiche Kandidat im Republikaner-Feld, hinter den Enthüllungen stecken könnte. Dafür liefert der Sprecher Indizien: Cains Nachfolger als Chef des Restaurantverbandes sei ein wichtiger Spender für Romney. "Es gibt viele engere Verbindungen zwischen Cain, Romney und dem Gaststättenverband, als mit uns", so der Perry-Sprecher zu CBS News.

Staatsmann gegen Schlammwerfer

Romneys Wahlkampfteam bestreitet die Vorwürfe - wenig überraschend - ebenfalls und bekommt Unterstützung von der Washington Post. "Das Perry-Lager gesteht ein, keine Beweise dafür zu haben, dass Romney die Geschichte über Herman Cain ans Licht gebracht hat", schreibt die Reporterin Jennifer Rubin in ihrem Blog. Der Perry-Sprecher habe eingeräumt, nur Fakten zitiert zu haben, die eine Verbindung zwischen den Lagern von Cain und Romney belegten. Die Fakten, schreibt Rubin, seien allerdings lediglich ein Fakt, nämlich dass Cains Nachfolger als Chef des Gaststättenverbands ein Romney-Unterstützer sei.

Cain legte unterdessen im Forbes Magazine nach und versuchte, den Verdacht zu erhärten, Perry stecke hinter der Enthüllung. Das Bindeglied ist demnach ein Mann namens Curt Anderson, der derzeit die Kampagne von Perry berät, im Jahr 2004 bei der gescheiterten Senatskandidatur von Cain aber auf dessen Lohnzettel stand. Aus dieser Zeit, so die Vermutung, könnte Anderson sein Wissen über dessen Fehltritte haben.

Neue Anschuldigungen kommen nun außerdem von einem Mann, der ebenfalls dem Perry-Lager zuzurechnen ist. Ein gewisser Chris Wilson erzählt in Interviews, wie er Zeuge sexueller Belästigungen Cains geworden sei.

Präsident Obama kann die Debatte nur recht sein: Während sich die Republikaner zerfleischen, inszeniert er sich beim G-20-Gipfel in Cannes als Staatsmann.

Linktipp: Jon Stewart befasst sich in seiner Daily Show mit Herman Cain. Großartig! Mit Dank an Madjun.