bedeckt München 19°

Wahlen:Die SPD kann es nur unterschiedlich falsch machen

In der Regierung ist Sichtbarkeit ebenfalls nicht leicht herzustellen, wenn man bloß Juniorpartner ist. Diese Erfahrung macht die SPD in Baden-Württemberg, in Sachsen-Anhalt (wo ebenfalls am 13. März gewählt wird) und im Bund. Überall regiert sie ordentlich, liefert sauberes, weitgehend pannenfreies Handwerk; im Bund ist es eigentlich eine sozialdemokratische Regierung unter Führung einer rot-grünen Kanzlerin, die aus historischen Gründen noch ein CDU-Parteibuch hat.

Aber wen nehmen die Leute wahr? Immer den Menschen an der Spitze der jeweiligen Regierung. Und so profitieren die Grünen von Kretschmann und die CDU weiterhin von Merkel, aber nicht die SPD von Schmid (ihrem Landesvorsitzenden, stellvertretenden Ministerpräsidenten, Wirtschafts- und Finanzminister in Baden-Württemberg). Den Aufmerksamkeitswettbewerb kann man als Juniorpartner offenbar nicht gewinnen, zumindest nicht, wenn man SPD heißt.

Was folgt daraus? In die Opposition gehen? Vor dieser Frage wird womöglich nach dem 13. März die Partei in Rheinland-Pfalz stehen. Am Freitag hat die Forschungsgruppe Wahlen ein weiteres Politbarometer veröffentlicht, und zwar für dieses Bundesland. Dort gehören bisher nur SPD, CDU und Grüne dem Landtag an. Im März aber könnten AfD, FDP und Linke dazukommen. Bei 31 Prozent steht die SPD, was zum einen überdurchschnittlich gut ist - und zum anderen ein Wert, mit dem die Partei deutlich hinter der CDU bleibt. Die steht bei 38 Prozent.

Auch in Mainz droht der SPD die Rolle des Juniorpartners

Sollten tatsächlich sechs Parteien ins Mainzer Parlament einziehen, wären im Grunde nur zwei Koalitionen rechnerisch denkbar: ein Jamaika-Bündnis aus CDU, FDP und Grünen oder aber Schwarz-Rot; die nächste Koalition also, bei der die SPD den Junior der CDU gibt. Das wäre, aus SPD-Sicht, nochmal ein ganz anderer Horror als in Stuttgart und in Berlin: wieder einmal das Elend des Juniorpartners - diesmal jedoch nicht aus der Opposition, sondern aus der Staatskanzlei kommend. In Mainz läge der Fall dann so, dass man der SPD, der Ex-Ministerpräsidentinnenpartei, dabei zusehen könnte, wie sie als Juniorregierungspartei ihre Wunden lecken muss. In Hessen darf sie das seit 17 Jahren wenigstens in der Abgeschiedenheit der Opposition tun.

Die SPD befindet sich in einer Lage, in der sie es kaum richtig, sondern nur unterschiedlich falsch machen kann. Opposition ist ja vor allem erstrebenswert für diejenigen, denen die Haltung zu einem Problem mindestens so wichtig ist wie die Lösung dieses Problems - ein Phänomen, das vor allem unter linken Sozialdemokraten verbreitet ist. Dürfen sie die Welt nicht zu hundert Prozent retten (zumindest aber beglücken), bleiben sie lieber zu hundert Prozent in der Opposition; da bleibt wenigstens das eigene Weltbild heil.

Gründe für die Malaise: Unbedingtheit und schlechte Laune

Vielleicht liegt hier zwar nicht der, aber doch ein Grund, warum es den Sozialdemokraten so chronisch schlecht geht: Zu viele von ihnen strahlen zu oft Unbedingtheit aus; und das noch in Kombination mit schlechter Laune. Das Beispiel zum Wochenende dazu liefert der Landesverband Baden-Württemberg. Eine stellvertretende Vorsitzende dort erklärte, warum Vertreter der AfD für sie keine Gesprächspartner seien: Die AfD schüre Ressentiments und spiele mit Ängsten, trete Frauenrechte mit Füßen, gefährde Arbeitsplätze durch die Abschaffung des Euro und wolle zurück zur Atomkraft.

Also, bitte: Für ein Gespräch mit Sozialdemokraten disqualifiziert man sich nicht nur dadurch, dass man Ressentiments schürt, sondern auch für Atomkraft ist? So hat der linke Narzissmus schon immer funktioniert: Die Welt könnte so einfach und so gerecht sein, wäre nur jeder so perfekt wie man selbst.

© SZ.de/bepe

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite