Wahlen in Simbabwe Facebook-Maulwurf gegen Mugabe

Im Land des greisen Dauer-Herrschers Robert Mugabe wird die Presse unterdrückt. Vor den Wahlen in Simbabwe am Mittwoch verbreitet nun eine Comicfigur unter dem Namen "Baba Jukwa" via Facebook Interna aus dem Umfeld des Präsidenten - der reagiert nervös.

Von Caroline Ischinger

Eine seltsame Gestalt zieht dieser Tage in Simbabwe alle Aufmerksamkeit auf sich, ein kahlköpfiger trauriger alter Mann mit Krückstock. So zumindest sieht das Logo auf der Seite des Facebook-Aktivisten mit dem Pseudonym "Baba Jukwa" aus, auf Deutsch: "Vater von Jukwa". Niemand kennt den echten Namen dieses "besorgten Familienvaters", doch seine Gefolgschaft wächst stetig. Der anonyme Blogger ist der größte Aufreger vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Simbabwe an diesem Mittwoch. Fast 300.000 Fans hat er in den vergangenen vier Monaten in dem sozialen Netzwerk gesammelt - aber einer gehört ganz bestimmt nicht dazu: der 89-jährige Präsident Robert Mugabe.

Denn Baba Jukwas Facebook-Präsenz ist eine digitale Kriegserklärung an den greisen Autokraten: Die Person, die dort schreibt und meist mehrmals täglich wütende Botschaften verfasst, behauptet von sich selbst, ein Mitglied von Mugabes Regierungspartei Zanu-PF zu sein. Baba Jukwa prangert im Netz Polizeigewalt an und die Einschüchterung von Oppositionellen, gerne auch direkt mit Handynummern und Adressen der angeblich Verantwortlichen, er berichtet über Korruption und warnt vor Wahlmanipulationen.

Ein Maulwurf mit Zugang zu den Machtzirkeln Mugabes? So stellt sich Baba Jukwa dar, was angesichts interner Machtkämpfe nicht völlig unrealistisch ist - auch wenn manche Beobachter glauben, dass in Wahrheit Oppositionelle dahinterstecken. Jedenfalls wird Baba Jukwa ernst genommen, spätestens seit er vor einigen Wochen den Tod eines früheren Zanu-PF Ministers prophezeite, der zu wenig Transparenz beim Diamantenhandel beklagt hatte. Mitte Juni starb Edward Chindori-Chininga tatsächlich bei einem Autounfall. Das mag ein tragischer Unfall gewesen sein, aber Baba Jukwa gewinnt seither an Glaubwürdigkeit - und an Prominenz.

Und ebenso rasant wächst die Nervosität in Mugabes Lager. Angeblich hat der Präsident persönlich eine Belohnung von 300.000 US-Dollar auf seine Enttarnung ausgesetzt - bislang ohne Erfolg. Selbst die stets treu zu Mugabe stehende Staatszeitung The Herald adelte Baba Jukwa mit ihrer Aufmerksamkeit. Hinter der Facebook-Seite steckten vier namentlich nicht genannte, aber angeblich bekannte Zanu-PF-Rebellen, hieß es dort, die nicht "mit dem Herzen" zur Partei gehörten - wobei man bezweifeln darf, dass es Baba Jukwas Facebook-Seite noch gäbe und der Autor (oder die Autoren) nicht längst im Gefängnis säßen, wenn der Herald wirklich den Hauch einer Ahnung hätte.

Mugabe ist fast jedes Mittel zum Machterhalt recht

Nur schwer dürfte für Mugabe zu ertragen sein, dass Baba Jukwa seine Fitness in Frage stellt. Gebrechlich sei der Präsident, er ringe mit dem Tod, schreibt er. Genau diesen Eindruck aber versucht Mugabe zu bekämpfen, er ist entschlossen, diese Wahl zu gewinnen; Anfang Juli forderte er seine Anhänger auf, in den "Krieg" zu ziehen. Seit 1980 ist Mugabe in Simbabwe an der Macht, hat die frühere "Kornkammer" zugrunde gewirtschaftet mit der chaotischen Landreform.

Zwar sind Gewaltexzesse wie rund um die Wahlen 2008 bislang ausgeblieben, damals gewann die frühere Oppositionspartei MDC in der ersten Runde eine klare Mehrheit. Seither regieren Präsident Mugabe und der MDC-Premier Morgan Tsvangirai in einer von großem Misstrauen geprägten "Einheitsregierung". Blockierte Reformen und Berichte über manipulierte Wählerlisten lassen wenig Zweifel daran, dass Mugabe fast jedes Mittel recht ist, um seine Macht zu sichern.

Baba Jukwa trifft offensichtlich einen Nerv, wenn er diese Missstände anprangert. Zum Facebook-Helden, der es mit dem Diktator aufnimmt, taugt Baba Jukwa aber nicht. Dafür finden sich auf seiner Seite zu viele - in Afrika leider weit verbreitete - schwulenfeindliche Kommentare, Zitate von angeblichen Propheten und Aufrufe zur Gewalt.

Doch Baba Jukwa ist Afrikas neuestes Beispiel dafür, wie die sozialen Netzwerke den Kontrollwahn von Autokraten unterlaufen. Mugabe gilt als einer der größten Feinde der Pressefreiheit, die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte am Montag die Einschüchterung von Journalisten in Simbabwe scharf. Baba Jukwa, geschützt durch die Anonymität, will sich nicht einschüchtern lassen. Seine Beiträge unterschreibt er mit dem Wort "Asijiki": "Wir geben nicht nach."