Wahlen in Russland Wie westliche PR-Agenturen Putins Image aufpolieren

Im Westen hat Wladimir Putin nicht gerade den besten Ruf: Er gilt als Obermacho, verbaler Rüpel und verkappter Diktator. Deswegen bezahlt Moskau westliche PR-Firmen dafür, das russische Image in der Welt zu verbessern und Putins Programm zu verbreiten.

Von Julian Hans

Seine Abscheu vor dem Internet hat Wladimir Putin wiederholt zum Ausdruck gebracht. Um so mehr überraschte in der vergangenen Woche die Nachricht, Russlands Premier habe ein eigenes Blog gestartet. Ausgerechnet bei der Huffington Post, die sich als Beispiel kritischen Bürgerjournalismus' einen Namen gemacht hat und als ernsthaftes Alternativmedium in den USA hohes Ansehen genießt. Nur haben Putins Texte dort bei näherer Betrachtung mit echten Blogeinträgen wenig gemeinsam. Es sind englische Kurzversionen jener seitenlangen Programmartikel, die Putin zuletzt im Wochenabstand in russischen Zeitungen veröffentlicht hat. Weil der Zugriff des Kreml auf Medien außerhalb der russischen Grenzen begrenzt ist, waren in den vergangenen Wochen westliche PR-Agenturen damit beschäftigt, die Agenda des aussichtsreichsten Kandidaten für die Präsidentschaftswahl am kommenden Sonntag an geeigneter Stelle zu platzieren. "Wir haben geholfen, das Programm außerhalb Russlands etwas zu pushen", sagt ein Beteiligter, der nicht genannt werden möchte. Es ist nicht das erste Mal, dass Moskau sich Unterstützung bei westlichen PR-Profis holt. Seit 2006 der G8-Gipfel in Sankt Petersburg abgehalten wurde, ist ein Konsortium um die US-Firma Ketchum damit betraut, Russlands Politik im Ausland zu verkaufen. Die in Brüssel ansässige Firma g+ europe unterhält zu diesem Zweck in jedem Staat der G7 eine kleines Team von Spezialisten. Sie sind besonders dann gefragt, wenn es Streit gibt; im Konflikt um die Gaslieferungen an die Ukraine, oder im Fünf-Tage-Krieg in Georgien war es ihre Aufgabe, die russische Sicht der Dinge in die Öffentlichkeit zu tragen. Keine leichte Aufgabe, denn meist bläst ihnen dabei der Wind ins Gesicht. Zwar gibt es durchaus Regionen außerhalb Russlands, in denen die russische Politik hohes Ansehen genießt. Laut einer Studie des US-Meinungsforschungsinstituts Gallup sind sie aber vor allem südlich der Sahara zu finden: in Tansania, Burkina Faso oder Mali, wo sich 84 Prozent der Befragten positiv über Moskau äußerten. Höher liegt der Zuspruch nur in den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens, die bis heute stark von ihrem großen Nachbarn abhängig sind. Im Rest der Welt steht es schlecht um das Image des Kreml. Im Schnitt konnte sich nicht einmal ein Drittel für seine Politik begeistern, in Europa waren es gerade einmal 21 Prozent. Der Rest verbindet außer dem KGB und der Mafia nicht viel mit dem größten Flächenstaat der Erde. Die einzige russische Marke mit vergleichbarer Bekanntheit wie Coca Cola oder Mercedes stammt noch aus Sowjetzeiten und heißt Kalaschnikow. Das zu ändern, lässt sich Russland einiges Kosten. Seit 2005 sendet der Auslandskanal Russia Today rund um die Uhr. Etwa 2000 Mitarbeiter arbeiten für das russische CNN. Ein Ableger der Regierungszeitung Rossijskaja Gazeta erscheint unter dem Namen "Russia Now" unter anderem als Beilage der Washington Post - und wird als Werbeschrift Russland Heute auch der Süddeutschen Zeitung beigelegt. Wie viel genau westliche PR-Firmen erhalten, ist nicht bekannt. Einen Anhaltspunkt geben Beispiele aus den USA, wo PR-Unternehmen per Gesetz verpflichtet sind, ihre Aktivitäten für fremde Regierungen zu veröffentlichen. Für die Begleitung des G8-Gipfels 2006 erhielt Ketchum demnach zwei Millionen Dollar.

KGB und Mafia - das fällt den meisten Menschen im Westen zuerst ein, wenn sie an russische Politik denken.

(Foto: dpa)