Tschechiens Wahlsieger Zeman:Wahlkampfhilfe aus ungenannten Quellen

Sein Partner war damals der ODS-Führer Vaclav Klaus, der jetzt auch sein Vorgänger als Staatspräsident ist. Klaus und Zeman teilten damals durch eine Reihe von Absprachen die Posten und die Gelder nach beider Gusto auf. Es war die Zeit, als in Tschechien die Korruption sich nachhaltig verbreitete, auch einige Skandale hängen Zeman aus jenen Tagen an. Beispielsweise die Affäre um eine Autobahn, die wider Erwarten immer teurer und teurer wurde.

Zemans Chefberater war damals schon ein umtriebiger Prager Geschäftsmann namens Miroslav Slouf, vormals Funktionär der Kommunistischen Partei, dann Sozialdemokrat und in jüngster Zeit ein Lobbyist, der mit dem russischen Mineralölkonzern Lukoil und anderen russischen Geschäftsleuten in Verbindung steht. Der Mann hatte nach Prager Presseberichten auch verdächtige Kontakte zu einem Prager Mafia-Paten, der 2006 erschossen wurde.

Dieser Miroslav Slouf war vor ein paar Jahren auch einer der Hauptakteure bei den Bemühungen, Zeman aus dessen zeitweiliger innerer Emigration in seinem Landhaus in Nove Veseli auf der Böhmisch-Mährischen Höhe zurückzuholen und ihm in Prag das Terrain für eine Rückkehr zu bereiten.

Ungeklärte Fragen aus der Vergangenheit

Slouf war beteiligt an der Gründung eines Kreises der Freunde Milos Zemans und einer neuen Partei, deren Prager Ortsverband er leitet. Und immer wieder wurde in den letzten Wochen die Frage gestellt, ob Slouf und andere für Zeman auch Gelder für den Wahlkampf beschafft haben und aus welchen Quellen sie stammen. Die Frage wurde nicht befriedigend beantwortet, und sicher wird die Rolle Sloufs in der Vergangenheit und in der Zukunft auch weiterhin von Zemans Kritikern aufmerksam verfolgt.

Der geschäftige Lobbyist gehörte jedenfalls am Samstagmittag zu den Menschen, die sich am Sitz von Zemans Wahlkampfstab in einem Hotel am Stadtrand von Prag einfanden, um die Ergebnisse zu feiern. Auch an Zemans Wohnort Nove Veseli bei Zdar nad Sasavou, im Wirtshaus "Zur Weißen Rose", herrschte ausgelassene Stimmung. Zeman hat im Heimatort 83 Prozent der Stimmen errungen.

Im mittelböhmischen Sykorice hingegen, dem Wohnort des Konkurrenten Karel Schwarzenberg, blieb er ohne Chancen. Dort hat Schwarzenberg als altböhmischer Fürst ein Jagdschloss, in dem er einen seiner Wohnsitze hat, und dort blieb er der Platzhirsch. 60 Prozent der Bürger votierten für ihn. Um 51 Stimmen lag er vor Zeman.

© Süddeutsche.de/rela/goro
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB